„Der Himmel ist in dir“ – Predigt zu Christi Himmelfahrt

Liebe Mitfeiernde

Die Vorstellungen, wie man Christi Himmelfahrt verstehen soll, sind wohl so unterschiedlich wie auch die beiden geschilderten Darstellungen in den biblischen Texten von heute.

So wird in der Apostelgeschichte zwischen Auferstehung und Himmelfahrt eine 40-tägige Zeit der Erscheinungen eingefügt, wobei im Lukasevangelium sich Auferstehung, Erscheinungen und Himmelfahrt alles an einem einzigen Tag ereignet.

In der Apostelgeschichte wiederum findet die Himmelfahrt auf dem Ölberg statt und im Lukasevangelium in Bethanien.

Und diese Unterschiede sind da, obwohl man davon ausgeht, dass Lukas der Verfasser von beiden Texten ist.

Auch die übrigen Evangelien stellen die Zeit nach dem Tod Jesu unterschiedlich dar.

Warum diese Unterschiede bestehen, auch darüber gibt es ganz verschiedene Deutungen.

Was mir jedoch aus dieser Tatsache der bestehenden Unterschiede als sehr wichtig erscheint, ist, dass damit sichtbar wird, dass die biblischen Texte nicht den Anspruch erheben, eine exakte historische Beschreibung davon zu sein, was in Raum und Zeit fotografisch hätte festgehalten werden können. So können wir die Evangelien nicht einfach als eins-zu-eins-Beschreibung der historischen Abläufe sehen, sondern es sind Geschichten, in die auch immer Deutungen von gehörten und erlebten Erfahrungen einfliessen.

Es sind somit literarische Werke, in die die Verfasser ihre eigene Note und Sichtweise einbringen, aber auch verschiedene Stilmittel, die dazu dienen, eine Sichtweise zu betonen. Dies ist m.E. ein wichtiger Punkt im Blick auf das Verständnis der Evangelien und auch der übrigen biblischen und ausserbiblischen Texte.

Und so ist auch die «Himmelfahrtserzählung» keine Beschreibung eines historischen Ereignisses, das hätte fotografiert werden können, sondern vielmehr eine Beschreibung innerer Geschichten und Deutungen des Autors, und ganz besonders ist es auch ein Stilmittel.

Denn solche «Entrückungs-, resp. Himmelfahrtserzählungen» sind auch sonst verbreitet gewesen.

So wurden beispielsweise auch von Henoch, von Elija und auch von Romulus und vielen mehr solche Geschichten erzählt.

Über Henoch heisst es z.B.:

«Henoch ging mit Gott, dann war er nicht mehr da; denn Gott hatte ihn aufgenommen.»

Und über Romulus wurde geschrieben:

«Nachdem Romulus diese unvergesslichen Taten vollbracht hatte, brach … plötzlich mit lautem Getöse und Donnerschlägen ein Sturm los und verbarg den könig in einer Regenwolke, die so dicht war, dass sie der Versammlung die Möglichkeit, ihn zu erblicken, entzog. Und seither war Romulus nicht mehr auf Erden. … Danach grüssten alle den Romulus als Gott, der Sohn eines Gottes ist.»

Wie wir sehen, sind solche Himmelfahrtserzählungen also als Stilmittel benutzt worden. Ebenso können wir erkennen, dass diese Erzählform dazu gedient hat, um die Wichtigkeit, den herausragenden Stellenwert einer Person hervor zu heben und damit zu sagen, dass die in den Himmel emporgehobene Person göttlich ist, resp. in starker Verbindung steht mit Gott.

Bei Jesus hat der Evangelist Lukas diese Verbindung zum Göttlichen zudem nicht nur mit der Himmelfahrt aufgezeigt, sondern auch mit anderen Erzählungen wie z.B. der Geschichte der jungfräulichen Geburt, was ebenso in jener Zeit ein verbreitetes Stilmittel war, bespielsweise bei Alexander dem Grossen.

Damit hat Lukas in seiner Geschichte mit ganz unterschiedlichen Stilmitteln und Erzählungen seine Deutung vom Leben von Jesus dargelegt und mit literarischen Elementen ausgeschmückt.

So betont Lukas mit seiner Erzählung der Himmelfahrt von Jesus, dass sich über Jesus der Himmel geöffnet hat, dass in Jesus Gott sichtbar geworden ist und in seinem Handeln und Leben der Himmel durchgeschienen ist.

Dies ist m.E. ein wesentlicher Kern der Aussage unseres heutigen Festes. Es soll uns damit aber auch all die Momente in Erinnerung rufen, die wir selber täglich erleben und in denen uns der Himmel aufscheint, sei es in einem Lächeln eines Mitmenschen, einer zärtlichen Umarmung, einer Geste der Wertschätzung oder einem Gespräch, in dem wir uns angenommen und verstanden fühlen, und in vielen anderen Momenten, in denen das Leben fliessen kann.

Himmelfahrt ist damit auch eine Einladung, solchen Momenten immer wieder Raum zu geben.

Aber gleichzeitig ist die Erzählung der Himmelfahrt von Jesus und der anderen in den Himmel emporgehobenen Personen auch ein Ausdruck unserer Hoffnung und unserer Sehnsucht, dass auch wir selber nach unserem Tod eine Zukunft haben, in der wir aufgehoben sind und zurückkehren dürfen zu Gott. Denn Himmel beschreibt ja oft auch einen Ort, der wortwörtlich über uns hinausgeht, der zwar immer wieder in Begegnungen und Momenten im Leben durchscheinen kann, der aber dennoch nicht ganz erreichbar ist und von dem sich viele erhoffen, nach dem Tod darin eingehen zu können.

Und Himmel ist oft auch nichts anderes als ein Ort und ein Zustand, an und in dem wir in Gottes Nähe, bei Gott sind, und drückt unsere Sehnsucht aus, ganz bei Gott und in Gott sein zu dürfen.

Und ich bin davon überzeugt, dass diese Sehnsucht nach dem Himmel und damit nach Gott auch ein Zeichen dafür ist, dass wir alle ursprünglich von Gott ausgegangen sind und uns diese Einheit nun fehlt, uns aber im Herzen immer wieder schmerzlich spürbar wird. Und so hoffe ich auch darauf, dass wir so wie Jesus irgendwann wieder in diese Einheit zurückkehren werden und wir unsere eigene Himmelfahrt erleben werden.

Diese Sehnsucht in uns kann schmerzlich sein, doch sie kann uns auch dabei helfen, dass wir uns nicht nur als Töchter und Söhne der Erde fühlen, sondern auch als Töchter und Söhne des Himmels und dass sich in uns und unserem Sein und Handeln Erde und Himmel berühren können.

Ganz im Sinne des bekanntes Liedes, in dem es u.a. heisst: «Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, da berühren sich Himmel und Erde.»

Liebe Töchter und Söhne des Himmels und der Erde

«Himmel» ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein weiter Begriff. So viele Bedeutungen trägt der Himmel in sich.

Und so führt uns der Himmel zwar ins Jenseits, aber genauso auch ins hier und heute, in unsere Mitte, von der Jesus gesagt hat, dass sie hier das Himmelreich sich zeigen kann, und letztlich führt uns der Himmel auch zu uns, in die Mitte unseres Herzens, unseres Seins und Handelns, ganz im Sinne von Angelus Silesius: « Halt an! Wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir. Wer ihn sucht anderswo, verfehlt ihn für und für. »

Der Himmel kann sich also in uns breit und weit machen als eine Erfahrung, als ein Erleben der göttlichen Nähe, aber ebenso unter uns im Göttlichen, das in unseren Beziehungen, in unseren Begegnungen und in unserem Handeln aufscheinen kann, und letztlich auch über uns, als eine Grösse, die über uns hinausgeht, die viel grösser ist als wir. So erzählt uns der Himmel von einem Gott, der in uns ist, unter uns und über uns, als ein Gott, der seine Hände segnend über uns ausbreitet wie auch Jesus, der uns segnend mit seinem Leben, seinem Sterben, seinem Auferstehen und seinem Heimgehn zu Gott den Himmel geöffnet hat und auch heute noch öffnet.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen, dass Sie gesegnet sind und dass immer wieder der Himmel in ihnen, unter ihnen und über ihnen aufgeht.

Amen.

Liturgische Texte zu „Welche Kirche wollen wir?“ (6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C)

Einleitung

Wir werden heute aus der Apostelgeschichte eine Episode hören, bei der es darum gegangen ist, dass sich die frühen christlichen Gemeinden zunächst haben finden müssen. Denn dies war nach dem Tod von Jesus eine grosse Herausforderung.

Auch wir müssen uns in der heutigen Zeit als Kirche immer wieder neu finden und die Frage stellen, wohin soll der Weg weiterführen. Und immer wieder muss sich die Kirche selber im Klaren werden und Entscheide fällen, welche Werte sie leben will.

Doch wir wollen auch darauf vertrauen, dass wir diesen Weg nicht alleine gehen müssen, sondern gemeinsam miteinander und gemeinsam mit Gott und ganz mit und im Geist von Jesus.

 

Besinnung / Kyrie

Wir stehen immer noch in der Osterzeit.

Jesus Christus,
lass uns auch innerlich mitten drin sein in Ostern.

In unserem Alltag wollen wir uns führen lassen vom Tod zum Leben.
Herr, erbarme dich.

In unseren Begegnungen wollen wir die Liebe siegen lassen.
Christus, erbarme dich.

In unserem Leben wollen wir immer wieder den Weg vom Dunkel ins Licht finden.
Herr, erbarme dich.

 

Jesus Christus,
führe du uns hin zum Leben und zur Liebe,
ins Licht und in die Freiheit.
Und lass uns auch als Kirche den Weg der Auferstehung gehen,
vom Erstarrten hin zum Befreienden.
Lass uns mit unseren Entscheidungen,
nicht ausgrenzen,
sondern Türen öffnen
für unsere Mitmenschen,
für Kreativität,
für Inspirationen.
Lass uns mutig sein, voller Vertrauen und erfüllt von deinem grosszügigen und gütigen Geist.
Amen.

 

Tagesgebet

Jesus Christus,
Dein Leben bietet uns Orientierung, Sinn und Kraft.
So wie du Menschen geliebt hast,
lass auch uns aus dieser Liebe leben.
So wie du Menschen Vertrauen geschenkt hast,
lass auch uns Vertrauen fördern.
So wie du Menschen aufgerichtet hast,
lass auch uns einander aufrichten.
So wie du Menschen an deinen Tisch eingeladen hast,
lass auch uns mit unserer Art und unserem Leben einladend und gewinnend sein.
Wir danken dir für den Weg,
den du vorausgegangen bist.
Und wir danken dir für die Kraft deines Lebens, die auch in unser eigenes Leben hineinwirkt.
Amen.

 

Fürbitten

Guter Gott
Das, was unser Herz bewegt, wollen wir in Bitten in Worte fassen.

Wir bitten für unsere Kirche. Lass sie Wege finden, die nicht in die Enge führen, sondern ins Weite.

Lass die Entscheidungsträger der Kirche sich darum bemühen, dass Menschen unabhängig von Geschlecht und Ansehen mit ihren Fähigkeiten die Kirche mitgestalten und mitleiten können.

Lass in unserer Kirche nicht die Angst vor Erneuerung und Veränderung überhandnehmen, sondern lass in ihr das Vertrauen darauf wachsen, dass Gottes Geist auch heute noch weht, in Glaubenserfahrungen, in Begegnungen, in der Vernunft, in Träumen und in Inspirationen der Menschen des Hier und Jetzt.

Wir bitten für uns selber. Lass uns grossherzig sein und nicht darüber urteilen, wer noch katholisch oder christlich ist, sondern jeden Menschen als Geschöpf Gottes erkennen.

Guter Gott, dein heiliger Atem erfass uns und unsere Kirche jeden Tag neu. Amen.

 

Gabengebet

Barmherziger Gott
Wir danken dir für die Gaben,
die wir selber von dir erhalten haben,
unsere Fähigkeiten und uns selber,
und stellen sie in deinen Dienst.
Wir danken dir auch für Brot und Wein.
Sie verbinden uns mit Jesus Christus,
unserem Bruder und Vorbild.
Im Teilen dieser Gaben wollen wir in seinem Sinn und Geist miteinander unterwegs sein.
Amen.

 

Ausklang

Ich träume von einer Kirche,
in der sich niemand fragen muss,
kann oder darf ich noch dazu gehören.
Ich träume von einer Kirche,
in der Menschen mit ihrer unterschiedlichen Art und ihrer eigenen Art zu glauben Heimat finden.
Ich träume von einer Kirche,
die ihr Potential in den Menschen sieht und sich freut an überfliessender Kreativität,
an Inspirationen, die Erneuerung bringen,
an Ideen, die begeistern.
Ich träume von einer Kirche,
die die Menschen ermutigt,
die eigenen Fähigkeiten zu fördern und einzubringen,
die sie bestärkt, den je eigenen Glaubensweg zu finden und zu gehen,
die den Menschen zuhört und von ihren Erfahrungen lernt,
die den Menschen zutraut,
selber herauszufinden zu können, was ihnen und ihrem Leben Sinn gibt.
Ich träume von einer Kirche,
die in ökumenischer Verbundenheit gemeinsam Glaubens- und Tischgemeinschaft feiert,
die dem Lachen und dem Humor wieder mehr Raum gibt und nicht alles todernst nimmt,
die für Ehrlichkeit, Transparenz und Aufrichtigkeit kämpft und Lügen, Verheimlichungen und Doppelbödigkeit den Gar aus macht.
Ich träume von einer Kirche,
die Ostern lebt,
Erstarrtes loslässt,
Bewegung und Aufbruch zulässt,
Dunkles ans Licht bringt
und Wege in die Lebendigkeit sucht und geht.

 

Segen

Der belebende und befreiende Gott
segne und behüte uns.
Er führe uns immer wieder
an den Puls des Lebens
und
zu den Herzen unserer Mitmenschen
und erfülle uns mit seinem Geist.
So segne uns der gütige Gott,
Vater, Sohn und Hl. Geist.
Amen.

«Welche Kirche wollen wir?» Predigt zur „Heidenfrage“, Apg 15 (6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr C)

Liebe Mitfeiernde

Wir stehen im Kirchenjahr noch in der Osterzeit. Doch in der Kirchengeschichte befinden wir uns dort, wo sich die christliche Botschaft verbreitet, wo christliche Gemeinden gegründet werden und wo sie sich viele offene Fragen klären müssen.

Immer mehr werden nicht nur Juden durch die Botschaft Jesu angesprochen, sondern auch Nicht-Juden, sogenannte Heiden, finden zum christlichen Glauben. So stellen sich plötzlich neue Fragen wie z.B., ob ein Nicht-Jude zuerst Jude werden muss, um Christ werden zu können, oder nicht.
Es hat sich so ganz konkret die Frage gestellt: Muss ein Heide beschnitten werden, um Christ sein zu können?
Um diese sogenannte «Heidenfrage» hat es heftigen Streit gegeben.
Einige Leute von Judäa haben die Beschneidung und das Einhalten aller jüdischen Gesetze als zwingende Bedingung für die Aufnahme in den christlichen Glauben gesehen. Die junge, dynamische Gemeinde von Antiochia, aber auch Petrus, Paulus und andere haben diese Hürde klar abgelehnt.

Um bei diesem Streit eine Lösung zu finden, sind Paulus und Barnabas aus Antiochia nach Jerusalem geschickt worden zu den Aposteln, den Ältesten und der Jerusalemer Gemeinde, um dieses Streitfrage zu klären.
Dort hat man sich darauf geeinigt, dass Menschen, die von der Botschaft Jesu begeistert sind und zum Christentum gehören wollen, keine zusätzlichen Hürden in den Weg gelegt werden sollen. Sie müssen sich nicht an sämtliche jüdischen Gesetze halten, sondern nur an einige Speiseregeln und an die Unzuchtsregel. Von der Forderung der Leute aus Judäa bzgl. der Beschneidung hat man sich in dieser Lösung jedoch klar distanziert, und anderem auch deswegen, da Petrus der Meinung war, dass Gott nicht so kleinlich ist wie diese Forderung vermittelt, sondern grosszügiger ist als wir Menschen, und auch deshalb, weil mit den Heiden-Christen gute Erfahrungen gemacht worden sind.
Dieser Lösungsvorschlag, der auf diese Weise miteinander erarbeitet worden ist, ist dann auch in Antiochia gut aufgenommen worden.

Liebe Mitfeiernde

Diese ganze Geschichte rund um die Frage, was es braucht, um zur christlichen Gemeinschaft dazu zu gehören, hat mich natürlich sofort auf unsere Situation in der Kirche von heute blicken lassen.

Denn dieses Thema ist in der katholischen Kirche ja hoch aktuell und höchst brisant.
So stellt sich einerseits für viele die Frage, kann ich mich noch mit dieser Kirche identifizieren? Gehöre ich noch dazu?
Und andererseits gibt es auch einige Kreise in der Kirche, die gerne anderen unterstellen, dass sie nicht mehr katholisch sind. Einige davon gehen sogar so weit, dass sie dies selbst dem Papst unterstellen.

Auch ich selber habe mir diese Frage seit meiner Jugendzeit immer wieder gestellt. Und auch vor gut 2 Jahren als ich mich für diese Stelle beworben hab, als Seelsorger in Horw, habe ich mir vorher überlegt, ob ich mit meinen Anliegen, mit meinem Glauben und mit meinen Sehnsüchten und Hoffnungen in dieser Kirche noch Platz habe. Und es gibt immer wieder neue solche Momente, in denen diese Frage wieder aktuell wird, v.a. dann, wenn sich Divergenzen zeigen in bestimmten Haltungs- und Glaubensfragen.

Doch: Wer entscheidet, wer katholisch ist oder nicht? Wer entscheidet, wer dazu gehört und wer nicht? Wer setzt Grenzen und erstellt Bedingungen? Wer bestimmt über sogenannt richtig oder falsch?

Es gibt immer wieder Menschen, die meinen, sie sind diejenigen, die dies alles bestimmen können und die genau zu wissen meinen, wer dazu gehört und wer nicht, wer noch katholisch ist und wer nicht. Doch, ganz ehrlich, ich denke, die sind auf dem Holzweg.

Denn wenn wir einen Blick in die Kirchengeschichte machen, merken wir schnell, dass diese Frage der Zugehörigkeit immer ein Prozess gewesen ist und auch immer sein wird. Denn Glauben lebt. Er besteht aus überlieferten Erfahrungen, die in biblischen und anderen religiösen Texten festgehalten sind, aber eben auch aus aktuellen Erfahrungen jeder einzelnen Person. Er besteht aus Traditionen, Richtlinien und Glaubenssätzen, aber eben auch aus der Auseinandersetzung mit der Gegenwart und der Frage, was bewährt sich im Alltag und was ist sinnvoll und vernünftig.

Natürlich gibt es die biblischen Texte, Dogmen, den Katechismus und das Kirchenrecht, mit dem gerne Grenzen gezogen werden und entschieden wird, wer ausserhalb des katholischen Glaubens steht und wer drin. Doch so einfach ist es nicht.

Denn all diese Text sind nicht nur in einer bestimmten Zeit, von bestimmten Menschen, mit bestimmten Ansichten geschrieben worden, sondern diese Texte unterliegen immer auch der Interpretation von Menschen und müssen ihren Wert in der Auseinandersetzung mit dem Leben und den Menschen mit ihren Sehnsüchten, Hoffnungen und Werten beweisen.

Wer dazu gehört und wer nicht, ist also gar nicht so einfach zu beantworten, wenn überhaupt. Doch ist dies wirklich eine Frage, die wir stellen und beantworten wollen? Wollen wir wirklich definieren, wer ausserhalb der Grenzen des katholischen Glaubens steht?
Wärs nicht schöner, anstatt Grenzen zu setzen und auszuschliessen, sich an der Vielfalt der unterschiedlichen Lebenserfahrungen, Sehnsüchten und Hoffnungen zu freuen und miteinander darüber auszutauschen, welcher Glaube mir persönlich hilft in Auseinandersetzung mit den Fragen des Lebens?
Und wärs nicht wünschenswert, anstatt zu fragen, wer gehört dazu und wer nicht, vielmehr fragen, wie kann sich jemand in der Kirche zuhause fühlen? Wie kann sich jemand zugehörig fühlen und Heimat in der Kirche finden? Und wie können sich Hürden, die dies verhindern, wegräumen?

So wie die einen in den Anfängen des Christentums gefunden haben, dass sich alle Christen an alle jüdischen Regeln halten und beschnitten werden müssen und stur an diesen Traditionen festhalten wollten, und Paulus, Petrus und andere gesagt haben, nein, das sind unnötige Hürden, dies sind Traditionen, die wir nicht brauchen, sondern uns am Leben hindern, stehen wir heute vor ganz ähnlichen Fragen. Und so wie sich dafür entschieden haben, sich auf die Grosszügigkeit Gottes zu beziehen und auf Jesus, der die Menschen über die Gesetze gestellt hat, und somit den Weg für neue Christinnen und Christen zu ebnen und nicht mit Hindernissen vollzupflastern, so gibt es auch heute so viele Fragen, in denen ich mir wünschen würde, dass damit mehr in der Art von Paulus und Petrus umgegangen würde.

So wünsche ich mir dies beispielsweise auch bzgl. dem Anliegen, Frauen in der Kirche mehr Rechte zu geben, dass sie wie die Männer den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern erhalten.

Immer wird da zunächst überprüft, ob dies Tradition gewesen ist oder nicht, und dabei wird m.E. viel zu wenig die Frage gestellt, würde dies nicht der Lebenshaltung und dem Menschenbild von Jesus entsprechen, der die Menschen als gleichwertig angesehen, ihnen etwas zugetraut und sie gestärkt hat, und würde es nicht einfach auch Sinn machen und dem gesunden Menschenverstand entsprechen.

Ich fände es mehr als notwendig, wenn wir uns mehr von diesem vertrauensvollen Geist von Jesus und von den frühen Christengemeinden inspirieren lassen würden. So würde ich mir wünschen, dass nicht nur neuen Ideen, Wegen und Möglichkeiten und der Vernunft Vertrauen geschenkt würde, sondern auch den Menschen, und ihnen, Männern und Frauen, die Chance gegeben wird, Kirche kreativ weiterzuentwickeln.
Und ich wünsche mir auch, dass die Menschen in ihrem eigenen Glauben gestützt und gefördert und wertgeschätzt werden, um ihre für sie passende Spiritualität finden und entfalten zu können und teilen zu können. Ebenso wünsche ich mir auch, dass in der Kirche immer mehr auch Freude sich ausbreiten kann an den vielen wertvollen Erfahrungen, Gedanken und Inspirationen, die Menschen bzgl. Gott und dem Umgang miteinander und dem Leben haben.
Wäre es darum nicht schön, wenn wir mehr auf diese Möglichkeiten und Ressourcen setzen würden, als unser Augenmerk auf die Grenzen zu fokussieren und auszugrenzen?

Das ist das, was ich mir persönlich wünsche, um mir die Frage weniger stellen zu müssen, bin ich in dieser Kirche noch zuhause und darf ich noch dazu gehören. Und ich denke, es ist auch das, was vielen anderen Menschen helfen würde, sich in der katholischen Kirche noch dazugehörig zu fühlen, wenn mehr Vertrauen statt Argwohn, mehr Freude anstatt Angst, mehr Ehrlichkeit statt Doppelbödigkeit und Verheimlichungen, mehr Kreativität und Sich-Öffnen für den Hl. Geist statt Erstarren in Traditionen und mehr Menschlichkeit statt Gesetzlichkeit gelebt wird.

So würde ich gerne unsere Kirche in die Zukunft schreiten sehen. Und dann kommen wir m.E. auch dem Näher, was in Joh-Ev. beschrieben ist mit dem Wohnen in der Einheit mit der Liebe, mit Jesus und mit Gott.
Denn dann bietet auch die Kirche Wohnung und damit Heimat für alle Menschen, die gerne mit ihr auf dem Weg sein möchten, und die Verbundenheit untereinander, mit Jesu Geist und mit Gott, als Ursprung, Quelle und Kern des Lebens wird für alle spürbar.

Amen.

Ohne Auferstehung kein christlicher Glaube?

Immer wieder wird von Christen behauptet, ohne die Auferstehung gäbe es keinen christlichen Glauben.

Für mich ist dies ein Affront gegen die Botschaft und das Leben von Jesus.

Denn sein Leben und seine Liebe, die er sich auch von dem androhenden Tod nicht hat nehmen lassen, hat seinen Wert auch ohne Auferstehung, resp. ist m.E. das Wesentliche an der christlichen Botschaft.

Der Glaube an die Auferstehung ist vielmehr das Vertrauen darauf, dass der Tod nicht das Ende von allem ist und der Hass nicht siegen soll.

Die Auferstehung jedoch ist weder bei Jesus noch bei uns etwas, das sich fotografieren oder beweisen liesse, resp. gelassen hätte.

Genauso ist es mit den Erscheinungen. Sie zeigen m.E. v.a. innere Auseinandersetzungen der Jüngerinnen und Jünger Jesu nach seinem Tod auf wie das Entsetzen, das die Frauen hatten, nach dem Auffinden des leeren Grabs. Es sind Trauerverarbeitungen und ein Suchen nach dem „Wie weiter?“.

Den Glauben jedoch an ein Leben nach dem Tode gibt es seit es Menschen gibt.

Darum ist für mich der Kern des christlichen Glaubens Jesu Herzblut und sein Leben, sein befreiendes und ermutigendes Handeln, das den Menschen über das Gesetz stellt im Gegensatz zum Kirchenrecht und zur kath. Obrigkeit. Ebenso hat Jesus hervorgehoben, wie die Schriftgelehrten den Glauben und den Weg zu Gott verwalten wollen, was heute wie damals nach wie vor der Fall ist. Päpste, Kardinäle und Bischöfe meinen auch heute, sie wüssten, was die Wahrheit ist und welcher Glaube der richtige und welches Handeln das richtige ist!! Also hört auf, Jesus als Herr, Gott und Auferstandenen zu ehren, sondern ehrt ihn, indem ihr seine Botschaft ernst nehmt!

Ihr seid der Leib Christi

1 Kor 12,12-27:

Der eine Leib und die vielen Glieder

12 Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus.
13 Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.
14 Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern.
15 Wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört er doch zum Leib.
16 Und wenn das Ohr sagt: Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört es doch zum Leib.
17 Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er nur Gehör wäre, wo bliebe dann der Geruchssinn?
18 Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach.
19 Wären alle zusammen nur ein Glied, wo bliebe dann der Leib?
20 So aber gibt es viele Glieder und doch nur einen Leib.
21 Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht. Der Kopf wiederum kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht.
22 Im Gegenteil, gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich.
23 Denen, die wir für weniger edel ansehen, erweisen wir umso mehr Ehre und unseren weniger anständigen Gliedern begegnen wir mit umso mehr Anstand,
24 während die anständigen das nicht nötig haben. Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem benachteiligten Glied umso mehr Ehre zukommen ließ,
25 damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen.
26 Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit.
27 Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.

Liebe Mitfeiernde

«Ihr seid der Leib Christi».

Dies sagt Paulus zu der Gemeinde in Korinth und damit auch ein Stück weit zu uns.

Mit dem Bild vom Leib und seinen einzelnen Gliedern legt Paulus der Gemeinde in Korinth dar, wie das Zusammenspiel der Gemeinschaft mit jeder einzelnen Person funktionieren sollte und was ihm aus christlicher Sicht dabei wichtig ist. So wird die ganze Gemeinde von ihm als Leib Christi beschrieben und gleichzeitig hebt er auch hervor, wie jedes Gemeindemitglied ein wichtiges Glied dieses Leibes und damit von grossem Wert ist.

Ich finde dies ein wunderbares Bild, das auch unser Verständnis der Eucharistie aufwerten kann.

In einem ähnlichen Sinne hat auch Augustinus vom Leib Christi geschrieben. Er hielt dazu fest:
«Euer Geheimnis selbst ist auf den Altar gelegt:
Seid, was ihr seht,
und empfangt, was ihr seid.
Empfangt den Leib Christi,
seid der Leib Christi.»

Sowohl Paulus wie auch Augustinus erweitern dadurch den Blick auf die Eucharistiefeier, resp. auf die christliche Mahlgemeinschaft.
So ist nämlich diese Mahlfeier ein Prozess der Gemeinschaft und ein Prozess, in den jede einzelne Person involviert ist.
So sind die Wandlungsworte auch eine Bitte darum, dass wir uns selber verwandeln und dass in unserem Leben Jesu Geist wirkt und sein Geist im übertragenen Sinne in unserem Leben zu Fleisch und Blut wird. Die Wandlung ist somit ein Prozess, in den wir alle mithineingenommen und angesprochen werden.
Es ist somit nicht nur das Erkennen von Jesu Leben in den Gaben von Brot und Wein, sondern es ist auch ein Sich-Erfüllen-Lassen und ein Sich-Berühren- und Bewegen-Lassen von seinem ganzen Leben, seiner Liebe und seinem heilvollen Handeln.

Die Wandlung meint nicht, dass Brot und Wein zu Fleisch und Blut werden im physikalischen Sinne. Schliesslich sind wir ja auch keine Kannibalen.
Vielmehr ist m.E. das Brot wie ein Fenster, durch das wir den Leib von Jesus sehen können und damit sein ganzes Leben und seine ganze Person. Der Wein wiederum weist uns auf sein Herzblut hin und damit auch auf seine Liebe, die er in sein Leben hat einfliessen lassen und die er verschenkt hat.
Wir bitten zudem in diesem Prozess darum, dass wir sein Herzblut in unser Leben einfliessen lassen können und dass wir selber mit Herzblut in seinem Sinn und Geist uns füreinander einsetzen und den Wert jeder einzelnen Person und auch von uns selber hochhalten und anerkennen. Mit dem Trinken des Weins verbünden wir uns mit Jesus Christus und bilden wir gleichsam auch eine Art «Blutsbrüder-, resp. Blutsschwesternschaft» mit ihm und untereinander.
Durch diesen Prozess, der nie abgeschlossen ist und um den wir uns selber immer wieder bemühen müssen, wird Jesus durch unser Handeln und unser Leben in der Welt sichtbar.

Und jede einzelne Person trägt dazu einen wichtigen Teil bei, wie Paulus betont hat. Besonders auch die schwachen und armen Menschen, die oft in Gefahr laufen unterzugehen, sind dabei nicht zu unterschätzen, sondern sollten besonders in unserer Aufmerksamkeit stehen. Alle Personen aber haben dabei einen grossen Wert.

Dies hat Paulus anscheinend besonders betont, weil angeblich die reichen Mitglieder sich am Mahl, das wahrscheinlich am Sonntagmittag oder -nachmittag stattgefunden hat, satt gegessen haben und die armen Leute und auch die Sklaven, die erst später, nach der Arbeit dazu stossen konnten, nur noch spärliche Reste zum Essen übrig hatten.

Auf den Wert jeder einzelnen Person sollten auch wir in der heutigen Kirche achten und uns dafür einsetzen.
Denn nur zusammen machen wir den Geist von Jesus in unserer Welt sichtbar und nur so handeln wir auch in seinem Sinn und Geist. Und was in seinem Sinn und Geist ist, können wir sehr gut im heutigen Evangelium erkennen. Bei seiner Antrittsrede hat er eigentlich sein Programm aufgezeigt und seine Anliegen dargelegt, die er dann auch in seinem Handeln und Leben umgesetzt hat.

Wenn auch wir uns diese Anliegen zu Herzen nehmen und danach handeln und wenn wir jede einzelne Person, egal ob krank oder gesund, egal ob jung oder alt, egal ob Frau oder Mann, wertschätzen, dann erscheint unter uns, in uns und mit uns Jesus Christus, sein Leib, sein Leben und sein Herzblut in unserer Welt, dann sind wir gemeinsam Leib Christi und sind in tiefer Verbindung mit ihm. Dann wird sogar Gott durch uns alle in der Welt sicht- und spürbar.

Und so begeben wir uns jedes Mal, wenn wir Eucharistie feiern oder in der Kommunionfeier Brot miteinander teilen, in diesen Prozess hinein, um uns verwandeln zu lassen hin zu einem Glied vom Leib Christi und werden so zu Menschen, die mit Herzblut und Liebe sich für alles Lebensfördernde, Befreiende, Bestärkende und Heilvolle in der Welt einsetzen.
Amen.

Ich bin würdig, dass Du eingehst unter mein Dach

Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach.

Ach was!

Gott, Mutter meines Herzens,

Schöpferin der Welt,

Du weisst, ich bin würdig, dass Du eingehst unter meines Herzens Dach,

da Du mich geschaffen hast.

Du bist meine Schöpferin.

Ja, Du musst ja gar nicht mehr eingehn unter mein Dach.

Denn Du warst ja immer schon da,

seit meiner Geburt und schon seit meiner Erschaffung durch Dich.

Denn in mir bist Du da.

Du beflügelst mich.

Du inspirierst mich.

Du bist da, wenn ich mich bis tief hinab unwürdig finde und abscheulich.

Du bist da, wenn ich mich nur noch als Schatten meiner selbst erkenne.

Du bist da, wenn ich – mit Dir verbunden – voller Kraft bin.

Du bist da, wenn ich in mir wieder jenes lichtvolle Wesen sehe,

das Du seit Anbeginn in mir gesehen hast und bis heute siehst.

Du willst,

dass ich mich würdig fühle,

dass ich das Licht sehe, aus dem ich bestehe,

dass ich mich erkenne als Engel des Lichts,

der aus Dir lebt und liebt,

der in Dir ist und Du in mir.

Amen.

Leben zwischen Kampf und Segen – Predigt zum Neujahr 2019 zu Gen 32,23ff. und Lk 2,16ff.

Liebe Mitfeiernde

Die beiden biblischen Texte, die wir soeben gehört haben, sprechen von zwei Thematiken, die uns im vergangenen Jahr vielleicht auch begleitet haben:
Bei der Begegnung Jakobs am Fluss Jabbok geht es um einen Kampf, um ein Ringen, aber auch um Segen und Versöhnung und bei der Geburt von Jesus durch Maria geht es um Leben, Liebe und Licht. All diese Aspekte spielen in unserem Leben eine bedeutende Rolle und besonders auch beim Jahreswechsel, wo wir auf die vergangene Zeit zurückblicken mit allem Ringen und Segen, der dabei war, und uns auch fürs neue Jahr Segen, Licht und Liebe wünschen.

Gerne möchte ich diesen Aspekten etwas nachgehen, wobei ich mich jedoch besonders auf den Genesis-Text beziehen werde, auf den Kampf Jakobs mit dem Unbekannten.

Dieser Text nämlich hat für mich eine grosse Faszination und zeigt m.E. u.a. die Auseinandersetzung des Menschen mit Gott, mit sich selber, mit anderen und mit dem Leben als Ganzes auf. Doch dazu später mehr.

Der Überquerung des Flusses Jabbok geht eine Geschichte voraus, die für den Grund dieser Reise wesentlich ist. So steht Jakob im Streit mit seinem Bruder Esau, weil er ihm das Erstgeburtsrecht und den Segen ihres Vaters Isaak entrissen hat. Esau hat sich daraufhin geschworen, Jakob umzubringen.

Nachdem mehrere Jahre inzwischen verstrichen sind, bemüht sich nun Jakob um Versöhnung mit seinem Bruder Esau. Und genau hier ist die gehörte Episode zu lokalisieren. Jakob macht sich nämlich auf den Weg der Versöhnung und schickt zunächst eine Herde Vieh als Geschenk voraus, um seinen Bruder gnädig zu stimmen. Auf diesem Weg zu Esau begegnet Jakob einem Unbekannten, der ihn überfällt, resp. ihn zum Kampf herausfordert.

Spannend ist bei dieser Kampfesgeschichte, dass ihr eine örtliche Sage zugrunde liegt, die darin eingeflossen ist. So erzählt diese Sage nämlich von einem übermächtigen Flussdämon, dem man sich stellen muss, wenn man den Fluss überqueren will, und zeigt damit die Gefahr auf, die früher eine Durchschreitung eines Flusses bedeutete.
Gut erkennen kann man die Aspekte dieser Sage auch darin, wie der Unbekannte Jakob sagt, er solle ihn loslassen, da die Morgenröte bereits aufgetaucht ist. Ein Dämon ist in nämlich in diesen Sagen nur in der Nacht mächtig und verliert diese Macht mit Anbruch des Morgens.

Mit der Einbettung dieser Sage in die Geschichte Jakobs ist nun weniger eine Auseinandersetzung mit den Gefahren des Flusses angesprochen, sondern vielmehr mit anderen Gefahren, und so ist auch Jakobs Kampf nicht ein Kampf mit einem Flussdämon.

Dieser Kampf hat bei Jakob ganz andere Aspekte, die m.E. zum Tragen kommen.
So nimmt m.E. dieser Kampf die Gefahren der bevorstehenden Begegnung mit Esau auf. In dem Sinne ist dieser Kampf ein Ringen von Jakob mit seinen Ängsten und seinen Hoffnungen in Bezug auf die Versöhnung mit Esau. Wir könnten somit sagen, dass dieser Kampf auch das Ringen mit seinem Bruder Esau darstellt.

Andererseits denke ich, dass sich dieser Kampf auch als eine Auseinandersetzung von Jakob mit seinen Schattenseiten sehen lässt, mit seinem üblen Spiel, das er mit Esau getrieben hat, und ist damit auch ein Kampf von Jakob mit sich selber. Er ringt somit eigentlich mit sich selber um Versöhnung mit den dunklen Aspekten in sich.

Und letztlich ist dieser Kampf auch als Gottesbegegnung zu verstehen. Denn letztlich erhofft er sich auch von Gott, dass er ihn trotz allem, was passiert ist, nicht fallen lässt.
So ringt er mit Gott und mit seinem ganzen Leben und erhofft sich, dass es dennoch zum Segen werden darf, ja, dass er selber ein Segen sein kann, auch für seinen Bruder Esau.

Dieser Kampf hat schliesslich zur Verwundung von Jakob geführt und zeigt damit auch die Wunden auf, die er bereits im Kampf mit sich, seinem Bruder und dem Leben erlitten hat. Doch er möchte nicht bei diesen Wunden stehen bleiben, sondern er möchte Heilung erfahren in sich selber, in seiner Beziehung zu seinem Bruder und in der Beziehung zu Gott und dem Leben.

Geht es uns im Leben nicht ebenfalls so, dass wir wohl mit vielem Ringen müssen, oft mit uns selber und immer wieder auch mit anderen und auch mit dem Leben und vielleicht auch ab und zu mit Gott oder unserem Gottesbild, das wir in uns tragen.

Doch bei alledem wünschen wir uns doch nichts Anderes als Segen, als Frieden und Versöhnung als das, was Maria in Jesus empfangen durfte: Leben, Liebe, Hoffnung und Licht.

Liebe Kämpferinnen und Kämpfer des Lebens

Am heutigen Tag, wo wir ebenso eine Überquerung hinter uns haben, blicken wir aufs vergangene Jahr zurück und vielleicht auch auf den einen oder anderen Kampf, den wir ausfechten mussten und in dem wir um Frieden und Liebe und letztlich um Segen ringen mussten.

Und vielleicht waren auch bei uns manche Kämpfe mitdabei, in denen wir uns mit unseren Ängsten und Hoffnungen herumzuschlagen hatten, in denen wir uns unseren eigenen Abgründen stellen mussten und in denen wir uns mit dem Leben und dem, was es mit sich bringt, auseinanderzusetzen hatten.

Und vielleicht gab auch bei uns Momente, in denen wir immer wieder neu um Versöhnung ringen mussten, sei es mit uns selber, mit unseren Mitmenschen oder mit dem Leben als Ganzes.

Und so wünschen wir uns wohl auch heute, dass wir mit dem vergangenen Jahr gesegnet in ein neues schreiten können, und sagen zum Vergangenen: „Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn.“

Und mit dem Geist von Maria können wir nun ins neue Jahr gehen und uns öffnen für das, was es uns bringen mag, v.a. aber für viele Momente der Liebe, des Lichts und des frischen Lebens. Und so dürfen wir die Weihnachtsbotschaft mit ins neue Jahr nehmen.

Und auch wenn wir vieles nicht in unseren Händen haben, können wir doch vieles dazu beitragen, indem wir selber nie aufhören um Leben, Liebe und Versöhnung zu ringen, indem wir selber Liebe verbreiten und indem wir so im neuen Jahr für uns selber und andere zum Segen werden.

So wünsche ich ihnen allen, ein gesegnetes neues Jahr!

Sterndeuter unterwegs, Version 2

Liebe Kinder, liebe Jugendliche, liebe Erwachsene,
An diesem Wochenende feiern wir Epiphanie, Erscheinung des Herrn, oder wie es meist genannt wird: das Fest der heiligen drei Könige.
Denn aus ursprünglich Sterndeutern oder Weisen aus dem Morgenland wurden allmählich im Laufe der Zeit Könige, die später sogar Namen erhalten haben: Kaspar, Melchior und Balthasar. Immer mehr wurde dieses Fest ausgebaut und ausgeschmückt. So gehört mittlerweilen die schöne Tradition der Sternsinger dazu, die Menschen zuhause besuchen, und so einerseits den Besuchten Freude bereiten und auch den Menschen, für die sie sammeln, eine Freude machen wollen.
Ausserdem ist bei uns auch der Brauch des Drei-Königs-Kuchens aufgekommen, bei dem jeder spasseshalber mal König werden kann.
Wenn wir die Kindheitsgeschichte im Matthäusevangelium lesen, sind da keine Könige erwähnt, auch nicht, dass es drei an der Zahl waren oder dass sie Namen hatten. All dies wurde erst im Laufe der Zeit ausgeschmückt. So kamen die Namen etwa im 6. Jh. Zum ersten Mal auf. Im Mittelalter wurde dann einer der drei Könige zusätzlich mit dunkler Hautfarbe dargestellt.
Mit dieser Ausschmückung dieser Erzählung wurde etwas gemacht, was eigentlich bereits Matthäus begonnen hatte. Denn auch Matthäus erzählt in seinem Evangelium nicht eine historische Gegebenheit, sondern hebt mit seiner Kindheitsgeschichte die Wichtigkeit von Jesus hervor und schmückt damit ebenfalls seine Geburt aus.
Und er tut dies natürlich im Rückblick auf das Leben von Jesus, wobei er mit der Erwähnung der Sterndeuter aus dem Osten v.a. die Welt der Nicht-Christen im Blick gehabt hat. Und er zeigt auf, dass Jesus auch für sie ein Heilsbringer ist.
Mit dem Stern weist er übrigens auf die Göttlichkeit von Jesus hin. Auch bei anderen Personen, v.a. Herrschern im griechischen, römischen und auch jüdischen Umfeld, wurde mit dem Stern, den man u.a. auf Münzen sehen konnte, die Göttlichkeit jener Personen hervorgehoben.
Der Stern ist aufgrund des griechischen Urtextes keine Sternenkonjunktion und auch kein Komet, sondern vielmehr ein Einzelstern. Doch aufgrund dessen, dass dieser Stern wandert, kann man ihn nicht als materiellen Stern sehen, sondern als Wunderstern, der eben dieser Vergöttlichung von Jesus gedient hat.
Der Stern wird sichtbar, er führt voran und er bleibt dann plötzlich stehen, dort, wo Jesus geboren wird.
Der Stern wandert genauso wie auch die Sterndeuter oder Weisen aus dem Osten.
Diese ganze Erzählung ist eine Weggeschichte, wie ganz viele andere Geschichten in der Bibel. Denken wir nur an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, an den Weg, den Josef und Maria nach Bethlehem und später nach Ägypten gehen mussten, das Unterwegssein von Jesus und seinen Jüngern oder auch die Flucht einiger Jünger nach dem Tod von Jesus nach Emmaus.
Das sind nur einige wenige Weggeschichten. Es gäbe noch viel mehr aufzuzählen.
Aber es ist wohl auch nicht weiter verwunderlich, dass wir viele dieser Erzählungen in der Bibel finden. Denn unser ganzes Leben ist ein Weg.
Matthäus zeigt in dieser Erzählung auf, dass die Sterndeuter auf dem Weg zu einem König waren, der so viel Anziehung besass, dass sogar Weise aus dem Osten sich zu ihm aufmachen. Er verdeutlicht damit auch, dass für ihn Jesus eine grosse Ausstrahlungskraft hat und das Heil und das Königreich, das Jesus nahe gebracht hat, allen Menschen gilt.
Eigentlich könnte man sagen, dass der Stern, der zu Jesus geführt hat und seine Verbindung mit dem Göttlichen sichtbar gemacht hat, auch für Jesus selber steht, für sein ganzes Leben, für sein Licht und seine Liebe.
Liebe Mitfeiernde
Ich weiss nicht, ob Sie den Film „Sternwanderer“ kennen. Darin wird eine wunderschöne Botschaft mitgeteilt, die für mich auch etwas von der christlichen Botschaft aufzeigt, und gewisse Parallelen hat zur Erzählung von Matthäus.
In diesem Film gelangt ein Stern zur Erde und nimmt dort die Gestalt einer jungen Frau an. Dort begegnet sie einem jungen Mann, der sie, den Stern, gesucht hat, um einer anderen Frau seine Liebe zu bezeugen. Auf dem gemeinsamen Weg werden sie anschliessend von verschiedenen Personen gejagt, weil diese das Herz der Frau suchen, das ihnen ewiges Leben verleihen soll. Der junge Mann steht ihr hierbei zur Seite und aus dem Einander-Zur-Seite-Stehen wird Liebe. Durch die Liebe erstrahlt sie immer heller und mit diesem Licht lassen sich die bösen Gestalten besiegen.
Und ihr Herz verschenkt sie im übertragenen Sinne ihrem Geliebten, der erfährt, dass er Thronfolger ist. In der Folge davon leiten sie viele Jahre zusammen ein Königreich, bevor sie danach gemeinsam zum Himmel emporsteigen und dort als Sterne thronen und gemeinsam ewig leben.
In dieser Erzählung, diesem Film erkenne ich viele Parallelen zu Jesus und seiner Geschichte. Es tönt schon fast ein bisschen wie eine Variation: Ein Stern, der zum Menschen wird und auf der Erde liebt und Liebe erfährt, sich gegen Zerstörung wehrt und Frieden und Licht verbreitet, und letztlich zum Himmel zurückkehrt.
Doch für mich zeigt diese Geschichte auch auf, wie wir wie Sterne erstrahlen und leuchten können, wenn wir Liebe erfahren und leben.
Und wir könnten sagen, dass auch wir Sternwanderer sind, die auf der Suche sind nach Liebe, nach dem Licht und nach dem Himmlischen hier auf Erden.
Ich wünsche uns in diesem Sinne, dass wir wie die Sterndeuter auf unserem Weg dorthin geführt werden, wo wir den Geist Jesu und damit Gottes Spur in der Welt finden, und dass wir wie der junge Mann Sternwanderer sein können, die auf der Suche sind nach Liebe und dabei auf unserer Wanderung Sternen begegnen und Licht, das so hell leuchtet, dass damit alles Üble aufgelöst wird.
Ich wünsche uns einen gesegneten Weg, eine eigene sinn- und lichterfüllte Weggeschichte, auf dem wir selber mehr und mehr erstrahlen können und unsere Liebe so stark wird, dass sie uns nicht mehr genommen werden kann.
Und ich wünsche uns viele Orte, wie der Ort an der Krippe bei Jesus, wo sich uns der Himmel öffnet und das Licht der Sterne in unser Herz strahlt.
Amen.

Sterndeuter unterwegs

Liebe Kinder, liebe Jugendliche, liebe Erwachsene,
An diesem Wochenende feiern wir Epiphanie, Erscheinung des Herrn, oder wie es meist genannt wird: das Fest der heiligen drei Könige.
Denn aus ursprünglich Sterndeutern oder Weisen aus dem Morgenland wurden allmählich im Laufe der Zeit Könige, die später sogar Namen erhalten haben: Kaspar, Melchior und Balthasar. Immer mehr wurde dieses Fest ausgebaut und ausgeschmückt. So gehört mittlerweilen die schöne Tradition der Sternsinger dazu, die Menschen zuhause besuchen, und so einerseits den Besuchten Freude bereiten und andererseits für ein gutes Projekt Geld sammeln
Ausserdem ist bei uns auch der Brauch des Drei-Königs-Kuchens aufgekommen, bei dem jeder spasseshalber mal König werden kann.
Wenn wir die Kindheitsgeschichte im Matthäusevangelium lesen, sind da keine Könige erwähnt, auch nicht, dass es drei an der Zahl waren oder dass sie Namen hatten. All dies wurde erst im Laufe der Zeit ausgeschmückt.
Die Namen z.B. wurden erstmals im 6. Jh. erwähnt. Im Mittelalter wurde dann einer der drei Könige zusätzlich mit dunkler Hautfarbe dargestellt.
Mit dieser Ausschmückung dieser Erzählung wurde etwas gemacht, was eigentlich bereits Matthäus begonnen hatte. Denn auch Matthäus erzählt in seinem Evangelium, wovon man heute in der Theologie ausgeht, nicht eine historische Gegebenheit, sondern hebt mit seiner Kindheitsgeschichte vielmehr die Bedeutung und Wichtigkeit von Jesus hervor und schmückt damit ebenfalls seine Geburt aus.
Diese Ausschmückung macht er natürlich im Rückblick auf das Leben von Jesus. Mit der Erwähnung von Sterndeutern aus dem Osten nimmt er v.a. die Welt der Nicht-Christen in den Blick. Und er will damit aufzeigen, dass Jesus auch für sie ein Heilsbringer ist.
Mit dem Stern wiederum weist er auf die Göttlichkeit von Jesus hin. Denn auch bei anderen Personen, v.a. Herrschern im griechischen, römischen und auch jüdischen Umfeld, wurde jeweils mit dem Symbol des Sterns, das z.B. auf Münzen über diesen Herrschern abgebildet war, ihre Göttlichkeit hervorgehoben.
Der Stern ist aufgrund des griechischen Urtextes keine Sternenkonjunktion und auch kein Komet, sondern vielmehr ein Einzelstern. Doch aufgrund dessen, dass dieser Stern wandert, kann man ihn nicht als materiellen Stern sehen, sondern als Symbol, der eben die göttliche Seite von Jesus aufzeigen will.
Der Stern wird sichtbar, er führt voran und er bleibt dann plötzlich stehen, dort, wo Jesus geboren wird.
Der Stern wandert genauso wie auch die Sterndeuter aus dem Osten hin zum Jesuskind, dorthin, wo das Göttliche oder anders gesagt das Himmlische in der Welt erscheint.
Ich denke, dass wir diesen Stern auch als Symbol von Jesus selber erkennen können. Denn sein Leben hat Licht in die Welt gebracht. Mit ihm ist ein Stern zur Erde nieder gekommen, der den Menschen den Himmel näher gebracht hat, indem er Menschen geheilt hat, sie von Leid und Unterdrückung befreit hat und ihnen von einem Gott erzählt hat, der es gut mit ihnen meint.
Zudem hat er uns mit seinem Leben auch mitgeteilt, dass wir selber ein Stern sein können.
All diese Nuancen und diese Bedeutungsvielfalt kann ich in dieser Geschichte der Sterndeuter und des Sterns entdecken, die uns zu Jesus und dorthin führt, wo sich uns der Himmel öffnet.
Diese ganze Erzählung ist eine Weggeschichte, wie ganz viele andere Geschichten in der Bibel. Denken wir nur an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, an das Unterwegssein von Jesus und seinen Jüngern oder auch an die Flucht einiger Jünger nach dem Tod von Jesus nach Emmaus.
Das sind nur einige wenige Weggeschichten. Es gäbe noch viel mehr aufzuzählen.
Aber es ist wohl auch nicht weiter verwunderlich, dass wir viele dieser Erzählungen in der Bibel finden. Denn unser ganzes Leben ist ein Weg.
Und auch wir sind, denke ich, wie die Sterndeuter auf unserem Weg auf der Suche nach Momenten, nach Personen und Orten, wo wir uns dem Himmel nah fühlen und wo wir den Glanz der Sterne erkennen.
Und auch wir sind doch selber für andere ein Stern, besonders dann, wenn wir mit unserem Dasein Liebe und Herzlichkeit sichtbar machen, denn dann strahlen wir wie ein Stern ganz hell mit einem wärmenden Licht.
Ich wünsche uns in Anlehnung an diese Weggeschichte der Sterndeuter und des wandernden Sterns einen gesegneten Weg, eine eigene sinn- und lichterfüllte Weggeschichte.
Und ich wünsche uns, dass wir viel Licht in unserem Leben erfahren dürfen, dass wir selber mehr und mehr erstrahlen und wie ein heller Stern einander leuchten können.
Amen.

Lucifer – der arme Teufel

Schon in der Kindheit hatte ich Mitleid mit dem Teufel, der für alles Böse den Kopf hinhalten muss.

Ihm wird alles aufgeladen, damit der Mensch sich seiner Verantwortung entziehn kann. Zur Projektionsfläche menschlicher Abgründe ist er gemacht worden, der arme Teufel.

Und in der Hiobsgeschichte wurde er sogar zum Spielball Gottes und musste mit göttlichem Auftrag Hiob durch Zufügen von tiefem Leid prüfen / quälen. Wenn man hier genau schaut: Wer ist da wohl der Böse in diesem Spiel?!

Sowohl vom Teufel wie auch von Gott sind immer wieder fragwürdige Bilder gezeichnet worden und oft sind sie nichts anderes als Projektionsfläche menschlicher Ängste und Hoffnungen, aber auch von menschlichen Macht- und Gewaltgelüsten. So dienen sie oft einfach der Zementierung des eigenen Egoismus, indem dieser göttlich überhöht wird.