Plädoyer für mehr Respekt gegenüber dem persönlichen Corona-Impfentscheid

Ich schaue schon länger mit Besorgnis und Unbehagen auf die Art, wie in Foren und Gesprächen im Blick auf Corona und die Impf-Thematik miteinander umgegangen wird. Die dabei von mir wahrgenommene zunehmende Aggressivität in den diesbezüglichen Stellungnahmen und Kommentaren gibt mir zu Denken und macht mich traurig.

Vorausgehend muss ich erwähnen, dass ich selber geimpft bin. Ich habe mich dafür entschieden, um andere dadurch vor einer Ansteckung durch mich schützen zu können. Um mich selber damit vor einer Erkrankung, resp. vor einem schweren Verlauf zu schützen, war für mich im Prozess der Entscheidung eher zweitrangig. Auch die Motivation, wieder reisen zu können, war für mich kein Grund, mich impfen zu lassen.

Den Entscheid hab ich mir alles andere als leicht gemacht. Ich hab mich mit den verfügbaren Informationsquellen möglichst gut informiert und es war für mich schwierig, mich für das „Richtige“ zu entscheiden, denn ich war mir vieler Informationslücken wie auch vieler Unsicherheiten und auch sowohl der Vor- wie auch der Nachteile der Impfung bewusst.

So war mir klar, dass die Impfung auch Risiken mit sich bringen kann. Denn aufgrund der kurzen Entwicklungsphase konnten die mittel- und langfristigen Nebenwirkungen zu wenig erforscht werden. Zudem war auch von Anfang an bekannt, dass kurzfristige Nebenwirkungen auftreten können, auch wenn der Prozentsatz relativ klein ist. Doch die Möglichkeit ist vorhanden. Zudem war aufgrund der verschiedenen Studien auch klar, dass die Impfung nicht zu 100% vor einer Erkrankung oder einem schweren Verlauf schützt. Und ob eine Ansteckung anderer mit der Impfung unterbunden wird, auch dafür gab es keine abschliessenden Studien und somit auch keine zuverlässigen Aussagen, sondern nur Vermutungen. Also im Endeffekt war es eine wacklige Grundlage, auf der ich meinen Entscheid fällen musste.

Mittlerweilen hab ich jedoch bzgl. Ansteckung eine Studie lesen können, bei der aufgezeigt wird, dass zwar auch Geimpfte die Krankheit übertragen können, dass aber die Virenlast schneller abnimmt und somit das Ansteckungsrisiko geringer, resp. weniger lange dauert.

Zudem gibt es natürlich auch Studien, die aufzeigen, dass die Schwere der Verläufe durch die Impfung abgeschwächt werden. Und beides, sowohl die geringere Gefahr eines schweren Verlaufs wie auch das kleinere Risiko einer Weitergabe des Virus helfen mit, um auch Long-Covid-Nachwirkungen und Virus-Mutationen zu minimieren.

Nichts desto trotz stehen auch heute viele mit ihrem persönlichen Impfentscheid vor dem Abwägen der Vor- und Nachteile der Impfung und müssen mit vielen Unsicherheiten und Unklarheiten diesen Entscheid fällen. Zudem verschiebt sich je nach Alter die Gewichtung der einzelnen Vor- und Nachteile in Bezug auf die Impfung. Bei jüngeren Menschen ist nämlich die Gefahr wegen Corona eine Spitalbehandlung in Anspruch nehmen zu müssen oder einen schweren Verlauf zu haben viel geringer, als dies bei älteren Personen der Fall ist. So ist je nach Alter der Vorteil der Impfung unterschiedlich gross.

All diese Aspekte zeigen m.E. auf, dass es zumindest für diejenigen Menschen, die diese unterschiedlichen Facetten rund ums Impfen und rund um Corona kennen und berücksichtigen, kein leichter Entscheid ist, sich für oder gegen das Impfen zu entscheiden. Denn es ist auch ein ganz persönliches Abwägen zwischen möglichen Risiken der Impfung und möglichen Risiken einer Corona-Erkrankung.

Dennoch sind die Nebenwirkungen aufgrund einer Corona-Erkrankung natürlich wesentlich höher als nach einer Corona-Impfung. Und ich selber vertrete klar die Meinung, dass es mehrheitlich sinnvoll ist, sich impfen zu lassen, und damit alles zu tun, was möglich ist, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.

Trotzdem muss m.E. die einzelne Person selber entscheiden können, ob sie sich impfen lässt oder nicht. Und deshalb ist auch eine Impfpflicht oder eine 2G-Regel für mich ein No-Go.

Darum finde ich es mehr als bedenklich, wie momentan miteinander umgegangen wird und wie der persönliche Entscheid jeder einzelnen Person nicht respektiert wird, und es empört mich, welch aggressiver Ton in gewissen Foren und Kommentaren zu Berichten um sich greift. Es macht mich traurig, welch raues Klima oft zwischen Geimpften und Ungeimpften herrscht. Ja, die m.E. sektiererischen und fundamentalistischen Haltungen und Verhaltensweisen gegenüber den anders Denkenden und anders Handelnden bzgl. Corona und Impfung gibt mir Grund zur Besorgnis, was den Umgang miteinander angeht.

Gegenseitig wird einander die Vernunft, die Solidarität und oft sogar ja die Menschlichkeit abgesprochen und man schlägt mit Worten wie „Egoist“, „Lügner, „Idiot“ usw. um sich. Das macht mich echt wütend und beschämt mich!

Ich habe, obwohl ich geimpft bin und für mich den Wert der Impfung durchaus sehe, eine ganz andere Sicht auf diejenigen, die sich gegen die Impfung entscheiden. Denn ich wische nicht einfach die bedenklichen, kritischen Aspekte der Impfung vom Tisch. Ich stelle fest, dass dies leider allzu oft geschieht. Vielleicht um den eigenen Entscheid nicht hinterfragen und auch kritisch reflektieren zu müssen? Vielleicht auch, um die eigene Unsicherheit, die es vielleicht doch noch gibt, damit zu verdrängen?

Die bedenklichen Aspekte der Impfung, die ich sehe, sind z.B. dass ich schon einige Personen angetroffen habe, die trotz vollständiger, zweifacher Impfung an Covid19 erkrankt sind und sogar im Spital behandelt werden mussten, ohne dass sie eine zusätzliche Vorerkrankung hatten. Zudem gibt es immer wieder Meldungen von Geimpften, die starke Nebenwirkungen in Kauf nehmen müssen, wie beispielsweise Herzwandentzündungen u.a. So hat ja auch Frankreich die Unter-30-Jährigen vor einer Impfung mit dem Moderna-Impfstoff wegen dem diesbezüglich erhöhten Risiko gewarnt.

Zudem ist bzgl. Impfung auch zu bedenken, dass die Antikörper der Impfung im Laufe der Zeit immer mehr abnehmen. So weiss ich von einer Person, die fünf Monate nach der 2. Impfung keine Antikörper mehr im Blut hatte. Auch bei mir sind die Antikörper innerhalb der letzten sechs Monate auf die Hälfte gesunken. Und doch ist dies immer noch besser, als gar keine Antikörper zu haben.

Trotzdem sollten all diese Aspekte m.E. nicht ausser Acht gelassen werden. Und auch mögliche negative Langzeitfolgen der Impfung können nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

All diese möglichen Nachteile spielen beim persönlichen Impfentscheid genauso eine Rolle wie die bereits erwähnten, möglichen Vorteile, die die Impfung mit sich bringen kann wie z.B. ein geringeres Risiko, mit schwerem Verlauf an Covid19 zu erkranken, und mit Long-Covid-Symptomen leben zu müssen, oder auch die niedrigere Gefahr, andere damit anzustecken und Mutationen zu begünstigen.

Doch wie gesagt, bekommen diese Vor- und Nachteile individuell und auch altersbedingt eine unterschiedliche Gewichtung.

Aufgrund dieser Gesichtspunkte und dem Recht jedes einzelnen auf körperliche Unversehrtheit finde ich es wichtig, dass die Freiheit im Entscheiden bzgl. Impfung gewahrt und geschützt bleibt.

Doch leider wird durch die geltende Zertifikatspflicht diese Freiheit und dieses Recht stark beschnitten, zumal gleichzeitig die Schnelltests kostenpflichtig wurden. So werden u.a. in einem Sportclub aktive Menschen entweder dazu gezwungen, ihren Sport monatelang an den Nagel zu hängen oder aber sich impfen zu lassen. Für viele ist diese Massnahme ein indirekter Impfzwang, was ich ethisch mehr als bedenklich finde.

Aufgrund der momentanen Situation wäre es sinnvoll, wenn die Schnelltest wieder kostenlos würden. Denn eine frisch getestete Person ist m.E. sicherer als eine vor 6 Monaten geimpfte, nicht getestete Person. So wäre es sogar besser, dass für die Teilnahme an Veranstaltungen einfach ein negatives Testergebnis vorgelegt werden müsste. So wäre der freie Entscheid bzgl. Impfung gegeben und auch das Verbreiten von Covid19 wäre damit minimiert.

Auf diese Weise könnten wir nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung so gut es geht unterstützen, sondern auch Grundwerte unserer Gesellschaft bewahren, wie Gleichheit, Freiheit und Geschwisterlichkeit. Denn es geht nicht nur darum, das Überleben möglichst vieler zu sichern, sondern v.a. darum die Gesundheit auch der Gesellschaft zu schützen und eine Spaltung zu verhindern und wie gesagt Grundwerte unserer demokratischen Gesellschaft zu behüten.

Darum plädiere ich dafür, dass mit mehr Verständnis miteinander umgegangen, der persönliche Impfentscheid akzeptiert und dass der aggressive Ton beiseite gelassen wird. Denn oftmals wird es m.E. eben auch so stark emotional, weil mit dem heftigen, schon fast missionarischen Vertreten der eigenen Position und dem Lächerlich-Machen der anderen Position die eigene Unsicherheit und die offenen Fragen übertüncht werden.

Stehen wir doch dazu, dass die ganze „Geschichte“ nicht einfach schwarz-weiss ist, sondern dass sie Nuancen hat und sozusagen aus unterschiedlichen Farbtönen besteht.

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