„Ich steh an deiner Krippe hier“ – Weihnachtspredigt

Liebe Mitfeiernde

Im Advent haben wir uns ganz und gar der Schwangerschaft von Maria und dem Schwanger-Sein im Allgemeinen zugewandt. Und mit dem Stubenwagen haben wir gezeigt, wie in Erwartung eines Kindes Eltern oft schon das Elternzimmer einrichten und eben auch den Stubenwagen bereit stellen.

Bei Maria selber ging es nicht so komfortabel zu, im Gegenteil. Sie musste in der Fremde ihr Kind zur Welt bringen und hat dabei nicht einmal eine Unterkunft gefunden in einer Herberge, sondern musste an der Tränke und am Futtertrog bleiben, dort, wo die Tiere wohl gefüttert und gepflegt worden sind, während die Besitzer in der Herberge waren. Von einem Stall ist da eigentlich bei Lukas keine Rede.
Dort in einer simplen Futterkrippe musste sie ihr Kind also nach der Geburt hineinlegen. So war es natürlich auch ein bisschen geschützt vor Wind und Kälte und vor den Hufen der Tiere, die da herumgestanden sind.

Dort in dieser Futterkrippe erblickt dann Jesus, den Maria neun Monate in sich getragen hat, das Licht der Welt und wird schliesslich selber zum Licht für die Welt.
Dort in der Krippe beginnt seine Geschichte, mit der sich uns Gott selber zeigt, als «Gott-mit-uns», Immanuel.

Dort in der Krippe ertönt das Lied von Jesus, das in die Welt hinausgetragen wird, das von Frieden singt und Freiheit, von Erleichterung und Bestärkung, von erfüllten Hoffnungen und geheiltem Leid, von neuem Leben und Begeisterung, von Gerechtigkeit und der Zuwendung zu den Armen und Unterdrückten.

Dort in der Krippe wird sichtbar,
dass Gott uns liebt,
dass Gott es gut mit uns meint,
dass Gott will,
dass nicht nur Jesus, sondern wir alle Licht sind und Licht geben.
Dort in der Krippe, in einem einfachen Futtertrog, begegnet uns Gott selber.
Dort in der Einfachheit, im Unerwarteten zeigt Gott seine Nähe.

Eine einfache Futterkrippe wird plötzlich zum Mittelpunkt.

Sie, die Nahrung für die Tiere bereithält, hält plötzlich Nährendes für uns alle bereit.
In der Futterkrippe finden wir plötzlich ein Kind, der uns mit seinem Leben wie Brot stärken und viele Menschen ermutigen und aufrichten wird.
In der Futterkrippe liegt dieses Kind, das als Erwachsener wie Wasser den Durst vieler stillen wird, den Durst nach Erfüllung und Frieden, den Durst nach Liebe und Heil.

Diese Krippe trägt plötzlich so viel Licht in sich und wird so auch in vielen Liedern bis heute besungen. Wie auch im bekannten Lied «Ich steh andeiner Krippe hier» mit dem Text von Paul Gerhardt, einem lutherischen Theologen, das in heutiger Fassung auf eine Melodie von Martin Luther zurückgeht.

Dieses Lied lädt uns ein, selber an dieser Krippe zu stehen, dort, wo das Heil seinen Lauf nimmt, dort, wo Gott ins Leben kommt, dort, wo ein Licht aufscheint, dort, wo Leben entsteht, dort, wo in der Einfachheit Gottes Nähe spürbar wird, dort, wo die Liebe sich zeigt.

Dieses Lied ermuntert uns aber auch, unser Leben Jesus zu schenken und in seinem Sinn und Geist zu leben. Und in diesem Lied drückt sich auch eine tiefe Liebe und Zuneigung zu Jesus aus, die soweit geht, dass sogar der Wunsch geäussert wird, selber ein Meer sein zu wollen, in dem Jesus mit seiner ganzen Fülle Platz findet. Und in einer Strophe, die nicht in unserem Gesangsbuch steht, wird sogar dem Wunsch Ausdruck verliehen, die Krippe mit Rosen, Nelken und Rosmarin zu schmücken und mit Samt und Seide zu polstern.

Mit dieser tiefen Verbundenheit wendet sich dieses Lied dem Kind in der Krippe zu und möchte uns mitnehmen zu dieser Krippe.

Liebe Mitfeiernde

Ja, nehmen wir doch Weihnachten zum Anlass, uns selber auf den Weg zu machen hin zur Krippe, zu den Krippen in dieser Welt und suchen wir mitten in unserem Leben das, was Jesus mit seinem Leben uns nahe gebracht hat: das Lichtvolle, das Heilvolle, das Befreiende und das Recht-Schaffende und all das, was dem Leben Raum gibt.

Gehen wir doch selber zur Krippe hin, dorthin, wo das Leben von Jesus begonnen hat, und lassen wir sein Leben in unseres überfliessen und in seinem Sinn und Geist uns einander zuwenden und füreinander da sein.

Ja, und ich möchte sie einladen, sogar noch einen Schritt weiterzugehen und selber im übertragenen Sinne zu einer Krippe zu werden, damit nicht nur im eigentlichen Sinne Nährendes in uns Platz findet, das, was stärkt und lebendig macht, wie das Futter im Futtertrog, sondern dass wir auch zum Ort werden, in dem Jesus mit seinem Leben und seiner Botschaft sich ausbreiten darf und in dem Gott selber Raum findet.
So machen wir uns selber zu dem Ort, wo Weihnachten stattfinden kann, hier und heute, und öffnen uns so für alles Lichtvolle, für all das, was gesund macht und befreit, für das, was Sehnsucht nach Sinn und Erfüllung stillt, und für das, was Frieden und Gerechtigkeit einen Weg ebnet.
Werden wir doch selber jeden Tag mehr zur Krippe, in der die frohe Botschaft und die Heilsgeschichte von Jesus beginnt und seinen Lauf nimmt und die Liebe Gottes Hand und Fuss bekommt, auch durch uns.

So feiern wir Weihnachten und lassen Gott in und unter uns zur Welt kommen.
Amen.

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