Maria – Mit Gott schwanger (Predigtgedanken zur Schwangerschaft von Maria und Mt 1,18-24)

Liebe Mitfeiernde

Über Marias Schwangerschaft wissen wir nicht so viel. Doch wir können davon ausgehen, dass Maria keine einfache Zeit der Schwangerschaft gehabt hat.
Denn zuerst wird sie von Josef mit dem Verdacht einer unehelichen Schwangerschaft konfrontiert. Er will sie zwar vor öffentlicher Demütigung schützen, indem er darüber Stillschweigen bewahrt. Und dennoch will er sich von ihr trennen.
Aber er hätte sie nach geltendem Recht auch öffentlich der Unzucht bezichtigen können, wodurch sie vermutlich die Todesstrafe zu erwarten gehabt hätte, denn eine Verlobung war so bindend wie eine Heirat. Und heiraten durfte er sie als gläubiger Mann auch nicht mehr, da er sich sonst selber des Ehebruchs schuldig gemacht hätte. So blieb ihm nur die Scheidung.
Er wollte diesen Weg gehen, um trotz der Umstände möglichst fair und fürsorglich mit Maria umzugehen.
Ein Traum jedoch eröffnet Josef eine ganz andere Sichtweise und lässt ihn sehen, welche Dimension mit Jesus in die Welt kommt und wie sehr hier der Geist Gottes mitwirkt. So nimmt er Maria schliesslich zu sich.
Doch, wenn wir uns vorzustellen versuchen, was dies für Maria bedeutet hat, können wir erahnen, dass es eine schwere Zeit für sie gewesen sein muss. Auch die Reise nach Bethlehem als hochschwangere Frau und die Suche nach einer Unterkunft war sicherlich sehr beschwerlich.

Und dennoch hat Maria auch eine grosse Zuversicht ausgestrahlt, ist sie sozusagen immer wieder guter Hoffnung gewesen, wie wir auch am 2. Adventswochenende in ihren Worten, im Magnifikat vernehmen konnten:
„Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.“

Diese Worte tönen bescheiden und selbstbewusst zugleich.

Liebe Mitfeiernde

Das Bild von Piero della Francesca der Madonna del Parto, das ich ihnen mitgebracht habe, ist eine der wenigen Darstellungen der schwangern Maria. Hier hat Maria für mich eine ganz ähnliche Ausstrahlung wie die Worte aus dem Magnifikat.

In voller Grösse steht Maria da und scheint sich ihrer Aufgabe, die ihr zukommt, bewusst und trotzdem ist sie nicht prunkvoll gekleidet oder als Königin dargestellt wie auf vielen anderen bekannten Bildern, sondern einfach, als Frau des Volkes.
Die linke Hand stützt sie in der Hüfte auf und mit der rechten berührt sie sanft ihren Bauch und spürt damit wohl auch die Bewegungen des neuen Lebens, das in ihr heranwächst, und hält auch so eine Verbindung zu Jesu, der in ihr wächst.

Sie wird von zwei Engeln flankiert, die sich in ihrer Gestalt, Haltung und Kleidung exakt gleichen, abgesehen davon, dass sie spiegelverkehrt dargestellt sind und sich in den Farben unterscheiden. Dem grünen Gewand des einen Engels entspricht das rote Gewand seines Gegenübers, der wiederum im Gegensatz zum anderen grüne Flügel und Strümpfe trägt, die den roten seines Gegenübers entsprechen. Sie halten mit gestreckten Armen einen bestickten Vorhang eines Baldachins auf, der mit Pelzen gefüttert ist und auf dem Granatapfelmotive zu finden sind. So öffnen sie dem Betrachter den Blick auf die schwangere Madonna. In der christlichen Ikonographie ist der Granatapfel ein Ewigkeits- und ein Christussymbol. Und damit wird natürlich wiederum auf das noch ungeborene Kind, Jesus, hingewiesen und seine Bedeutung.
Die Madonna trägt langärmliges blaues Kleid mit einem weiten Rock und aufgebauschten Oberärmeln. Das Kleid ist vorne teilweise zugeknöpft, in der Bauchregion jedoch sind die Knöpfe offen und lassen mit dem weissen Untergewand etwas von dem Lichtvollen von Jesus erahnen. Maria trägt eine kunstvolle, eng am Kopf anliegende mit weißen Bändern durchschlungene und gehaltene Flechtfrisur. Über ihrem Kopf ist ein Heiligenschein sichtbar, der jedoch mit seinen Brauntönen sehr irdisch wirkt.
Das Himmlische und Irdische begegnen sich sozusagen in Maria und auch in Jesus.
Der Baldachin wiederum verweist uns ganz auf den Himmel. Denn oft wird er auch als Himmel bezeichnet. So können wir sagen, dass sich über Maria der Himmel auftut.
Und indem die Engel den Baldachin öffnen, lüften sie sozusagen einen Vorhang. Ja und tatsächlich geht mit Maria ein Vorhang auf und Maria selber öffnet im übertragenen Sinn mit ihrem geöffneten Kleid für Jesus den Weg in die Welt.
So tritt mit ihr zusammen auch Jesus auf und da im Leben von Jesus uns schliesslich auch Gottes Liebe näher gebracht wird, können wir im übertragenen Sinne auch sagen, dass hier auch ein Stück weit, Gott selber sich zeigt.
Denn Gott ist da bei und in Maria und ihrem ungeborenen Kind.
Mit Weihnachten, mit der Geburt wird sich schliesslich der Vorhang vollends öffnen und Jesus betritt die Bühne der Welt und damit nimmt auch Gott eine wesentliche Rolle ein in seinem und unserem Leben.
Aber mit Jesus will Gott nicht eine Theaterbühne betreten und irgendein Theater aufführen. Nein, es geht ums Leben und nicht ein Spiel Gottes mit uns Menschen. Vielmehr zeigt uns Gott mit Jesus einen Weg auf, wie Leben möglich ist für alle. Er will nicht, dass Privilegierte mit Mittellosen ihr Spiel treiben, dass Menschen die Rolle von Herren und Knechte, von Sklaventreibern und Sklaven, von Armen und Reichen einnehmen und sich gegenseitig ausspielen, sondern er will, dass wir Verantwortung übernehmen füreinander und uns bewusst sind, dass das Leben einmalig ist.

Indem Maria mit Jesus schwanger ist und ihn zur Welt bringen wird, macht sie für diese Vision eines Lebens in Fülle für alle den Vorhang auf. Sie öffnet so auch den Vorhang, damit Menschen wieder frei atmen können, damit Frieden Halt gibt und kein leeres Wort bleibt, und damit Menschen Heil und Kraft erfahren dürfen und so zu sich selbst, zueinander und zu Gott finden können.
Darauf warten wir mit dem Warten auf die Geburt Jesu, die Geburt Gottes in unserer Welt. Und so gehen wir mit diesem Warten mit Maria schwanger und sind in Erwartung einer Welt, in der nicht etwas aufgeführt wird, sondern in der wir selber Teil sind der Handlung und mitwirken können, damit die Vision einer besseren Welt konkret wird.
Und auch wenn das Leben kein Theater ist und auch kein Spiel, möge uns dennoch auch eine spielerische Leichtigkeit begleiten, indem es uns auch gelingt, uns von dem zu lösen, was uns blockiert und gefangen nimmt, und indem uns auch wohltuender Humor zueinander Türen öffnet.
In dem Sinne wünsche ich uns, dass wir mit dieser Vision einer Welt, in der Frieden, Gerechtigkeit, Heil und Lebendigkeit eine wichtige Rolle spielen, schwanger gehen können und wir uns bereit machen, damit Gottes Licht in unsere Welt kommen kann.

Lassen wir es so nun bald Weihnachten werden, damit Weihnachten nicht eine idyllische Geschichte bleibt, die nichts mit uns zu tun hat, sondern indem wir selber Akteur werden dieser Geschichte mit Gott und durch uns diese Welt, die sich durch Maria und mit Jesus eröffnet hat, immer mehr Wirklichkeit wird.
Amen.

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