„Schwanger“ – Predigt zum 2.Advent

Liebe Mitfeiernde

Die Schwangerschaft im Advent ins Zentrum zu stellen, löst wahrscheinlich bei der einen oder beim anderen leichtes Kopfschütteln aus.

Doch wenn wir den heutigen Text aus dem Lukasevangelium anschauen mit der wunderbaren Begegnung zwischen der schwangeren Elisabeth und der schwangeren Maria drängt es sich fast auf, mal der Schwangerschaft im Advent Raum zu geben.

Denn ohne Schwangerschaft keine Geburt und auch keine Geburt von Jesus!

Und viele der Gefühle und Gedanken von heutigen schwangeren Frauen hat bestimmt auch Maria mit sich getragen.

Da ist oft Vorfreude da und Hoffnung. Und natürlich gehören auch Ängste dazu und Ungewissheit, die eine schwangere Frau, aber auch einen werdenden Vater beschäftigen können. Und auch verschiedene Beschwerden können mit einer Schwangerschaft einher gehen. Und dennoch denke ich, dass meist die Freude am im Bauch spürbaren, neuen Geschöpf, das wächst und bald voll und ganz Teil ist der neuen Familie, überwiegt.

Auch in der Begegnung zwischen Maria und Elisabeth steht die Freude im Vordergrund. Und die grösste Freude geht sogar vom noch ungeborenen Johannes aus, der im Mutterleib hüpft.

Es ist ein sehr berührender Moment, genauso wie ich selber auch jede Schwangerschaft berührend finde.

Ich bin im Vorfeld zum heutigen Gottesdienst auf die Suche gegangen nach einer Statue einer schwangeren Maria. Leider bin ich nicht fündig geworden, da es nur sehr wenige solche Darstellungen gibt und diese schwer erhältlich sind. Dafür hab ich jedoch eine schöne Darstellung einer schwangeren Frau gefunden.

Ich hab mich natürlich dabei gefragt, was wohl der Grund dafür sein könnte, dass es nur wenige Bilder oder Statuen einer schwangeren Maria gibt. Ehrlich gesagt denke ich, dass vielleicht mitspielen könnte, dass nach wie vor im christlichen und kirchlichen Kontext eine gewisse Distanz und Abneigung besteht gegenüber allem Körperlichen und Sinnlichen.

Obwohl ich persönlich finde, dass jede schwangere Frau auf eine Art etwas Heiliges ausstrahlt.

So hab ich selber die Zeit, in der meine Frau schwanger war, als äusserst faszinierend, sehr sinnlich und sehr berührend empfunden. Es hat in mir eine grosse Ehrfurcht und ein grosses Staunen und eine grosse Freude ausgelöst, obwohl ich natürlich auch mit den Strapatzen und Leiden meiner Frau mitgefühlt habe.

So gehören da ganz unterschiedliche Gefühle in diese Zeit der Schwangerschaft und man ist sich schon am Vorbereiten auf die Zeit nach der Geburt. Oft wird schon das Kinderzimmer eingerichtet, der Kinderwagen bereit gestellt (wie hier vorne) und auch Kleider, Nuschis und Nuggis usw. werden schon besorgt. 

Die werdenden Eltern sind in dieser Zeit wahrlich in Erwartung und es wird natürlich für das Kind und die Familie das Beste erhofft. Man erhofft sich, dass alles gut geht, sowohl die Geburt wie auch die weitere Entwicklung des Kindes und dass man die Aufgabe, Eltern zu sein, gut meistern kann.

Als Eltern wünscht man sich in religiösen Worten gesprochen, dass das Kind und die Familie und das Leben aller Beteiligten gesegnet ist.

Damit wird eigentlich das gewünscht, was Elisabeth Maria zuspricht, indem sie ihr sagt: «Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.»

In anderen Übersetzungen heisst es noch «du bist gebenedeit», was ebenso segnen bedeutet und vom lateinischen Wort «benedicere» kommt. «Benedicere» zeigt uns auf, was mit Segnen gemeint ist, da es wörtlich bedeutet: «gutes zusprechen».

Mit dem Segnen wünscht man der gesegneten Person alles Gute und, dass ihr Leben gelingt, und im Fall von Schwangeren auch, dass das Leben auch des ungeborenen Kindes unter einem guten Stern stehen darf.

Aber wie wir bei Maria und Elisabeth sehen, meint da der Segen auch, dass das Gute, das bereits da ist, ausgesprochen wird und zum Ausdruck kommen soll. Denn Elisabeth spricht von der Besonderheit von Maria und Jesus und spricht damit an, was an Lichtvollem durch sie in die Welt kommt.

So wie Maria und Jesus in ihr auf Elisabeth und Johannes eine gute Ausstrahlung hatten, ist m.E. bei den meisten schwangeren Frauen eine besondere Ausstrahlung spürbar und ebenso das Gute, das Leben, die Lebendigkeit, die bereits da sind.
 

Liebe Mitfeiernde

Gerne möchte ich den Bezug auch zu uns selber herstellen, denn ich finde, dass wir alle wie werdende Eltern uns für uns selber, unsere Familien und unsere Freunde wünschen, dass es uns gut geht, dass unser Leben gelingt. Genauso wie auch bei uns schon viel Gutes, viel an Lichtvollem und Lebendigkeit vorhanden ist und es oft nur darum geht, es sichtbar werden zu lassen, so wie bei der Geburt das Kind sichtbar wird.

Und dies kommt ja auch wunderbar im Psalm 139 zum Ausdruck, in dem es heisst: «Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.»

Wir dürfen dankbar sein, auch für das Wunder, das wir sind! Wir dürfen uns so auch freuen an dem Guten und dem Licht, das wir selber ins Leben, auf die Welt bringen. Und wenn wir dieses Vertrauen aus dem Psalm 139 innehaben, dann wird unser Licht, das wir sind und haben, noch viel heller leuchten.

Und am Schönsten wäre es natürlich, wenn wir den Segen, der wir somit sind, auch weitergeben können.

Wenn wir wie Maria unsere Hoffnung nicht nur auf uns und unser Umfeld setzen, sondern wenn wir daran mitarbeiten, dass es Hoffnung gibt für die ganze Welt so wie wir dies im Magnifikat gehört haben.

Und so wünsche ich allen werdenden Müttern und Vätern, allen ungeborenen Kinder, aber auch an uns allen, dass wir uns immer wieder als geliebt und gewollt fühlen dürfen und dass wir wagen zu hoffen, dass immer mehr Frieden und Liebe auf und zur Welt kommen.

Amen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s