„Gott, eine tröstende, beruhigende Mutter»: Predigt zu Jesaja 66,10ff., 14. So JK C

«Wie eine Mutter tröstet, so will ich euch trösten.»

Liebe Frauen, Liebe Männer, Liebe Kinder,

Der Text aus dem Jesajabuch, den wir heute als Lesung gehört haben, trägt wunderschöne Bilder in sich.
Jerusalem wird als stillende Mutter beschrieben, an deren Brust man zur Ruhe kommen kann.
Und auch Gott wird als tröstende Mutter dargestellt und als Quelle, von der Ströme des Friedens ausgehen, von denen man trinken und sich erfrischen kann.
Wie ein Kind, das sich durchs Stillen, durch die Muttermilch an der Brust der Mutter beruhigt, mit Weinen aufhört und bei der Mutter Frieden und Trost, Wärme und Nahrung erhält, wird hier Jerusalem und vor allem auch Gott als nährende, tröstende und friedensspendende Mutter dargestellt.

In Jerusalem nach dem Exil, in der dieser Text entstanden ist, sind diese Worte wie eine Oase gewesen, wie ein Traum, nach dem sich wohl viele gesehnt haben, denn Jerusalem stand auch nach dem Exil immer wieder unter dem Einfluss fremder Mächte und Frieden war wohl damals wie heute genau genommen eher ein Fremdwort.

So sind für mich Jerusalem und Frieden leider eher wie zwei Gewinde, die nicht aufeinander passen.

Und dennoch war damals wie heute die Sehnsucht nach diesem Frieden wohl stets gross.

Traum und Wirklichkeit sind halt eben oft nicht übereinstimmend und manchmal klaffen sie wie im Falle von Jerusalem so auseinander, dass es schon fast lächerlich klingt.

Und dennoch sowohl das Bild von Gott als Mutter und das tiefe Gefühl von Frieden, Trost und Stärkung, aber auch das Bild von den Knochen, die sprossen wie frisches Grün, tragen viel Kraft in sich.

Dieses weibliche Bild von Gott finde ich persönlich sehr berührend und hilfreich, um Gottes Liebe und Es-Mit-Uns-Gut-Meinen zu spüren.

Doch wir alle wissen, dass es sowohl in der Bibel wie auch unter den Menschen ganz unterschiedliche Gottesbilder gibt und auch immer gegeben hat. Und wichtig ist dabei sich bewusst zu haben, es sind alles Bilder von Gott und nicht Gott selber. Und doch können wir nicht anders von Gott sprechen als durch Bilder.

Es ist jedoch für unser Handeln und unser Leben entscheidend, welche Gottesbilder wir in uns tragen, da sie auch unser Bild der Menschen beeinflussen.
Darum ist es m.E. wichtig, dass wir ein Gottesbild in uns tragen, dass wie bei Jesaja erwähnt, Frieden fördert, Trost spendet und Lebenskraft gibt.

Wir wissen nicht, wie Gott wirklich ist, doch wir können uns für ein belebendes, befreiendes, nährendes und friedensspendendes Gottesbild entscheiden und damit auch den Menschen Gutes tun und selber zum Lebensförderer, zur Friedensbotin, zum Befreier und zur Liebenden werden.

Und genauso hat es Jesus getan. Sein Gottesbild hat sein ganzes Leben geprägt und ihn selber zu einem Menschen gemacht, der Frieden verbreitet hat und der andere Menschen geheilt, belebt, bestärkt und getröstet hat.

Und er hat wiederum andere aufgefordert, es ihm gleich zu tun. Wie die 72, die er zu zweit geschickt hat, um in der Welt Frieden zu verbreiten und Kranke zu heilen.

Mit dem Frieden, dem Heil, das Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger so verbreiten, verbreitet sich auch das Reich Gottes. Und Gottes Reich ist m.E. letztlich nichts anderes als das, was Gott am Herzen liegt, und was die Welt im Sinne von Frieden und Leben bereichert.

Jesus wusste natürlich, dass wie im Bild vom Frieden, der von Jerusalem ausgeht, auch in der Welt Frieden nicht immer mit Frieden beantwortet wird, sondern dass oft auch Unfriede und Ablehnung zurückgegeben werden.

In diesem Fall werden die Jünger und Jüngerinnen Jesu aufgefordert, den Staub abzuschütteln, das Verstaubte, Abgestorbene, Tote abzustreifen und loszulassen, um sich wieder neu auf das Lebensbejahende und Lebensfördernde einlassen zu können.

Geht es nicht auch uns oft so, wenn wir Unfrieden erleben, Ablehnung oder uns sogar Hass entgegenschlägt, dass wir dann genauso den Staub, die toten Zellen, mit denen wir konfrontiert sind, abstreifen und abschütteln müssen, um uns wieder dem zuwenden zu können, was uns belebt, aufbaut, tröstet und nährt?!

Denn so können wir uns wieder auf die Suche machen nach dem, was nach Leben schmeckt, was grünt und blüht, und von den frischen Strömen des Friedens trinken und uns laben an der Milch des Trostes und der Kraft.

Liebe Mitfeiernde

ich möchte Sie einladen, dieses wunderschöne Bild der tröstenden und nährenden Mutter in sich selber aufzunehmen, um selber wie eine liebende und besänftigende Mutter Frieden und Leben zu verströmen.
Amen.

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