Leben zwischen Kampf und Segen – Predigt zum Neujahr 2019 zu Gen 32,23ff. und Lk 2,16ff.

Liebe Mitfeiernde

Die beiden biblischen Texte, die wir soeben gehört haben, sprechen von zwei Thematiken, die uns im vergangenen Jahr vielleicht auch begleitet haben:
Bei der Begegnung Jakobs am Fluss Jabbok geht es um einen Kampf, um ein Ringen, aber auch um Segen und Versöhnung und bei der Geburt von Jesus durch Maria geht es um Leben, Liebe und Licht. All diese Aspekte spielen in unserem Leben eine bedeutende Rolle und besonders auch beim Jahreswechsel, wo wir auf die vergangene Zeit zurückblicken mit allem Ringen und Segen, der dabei war, und uns auch fürs neue Jahr Segen, Licht und Liebe wünschen.

Gerne möchte ich diesen Aspekten etwas nachgehen, wobei ich mich jedoch besonders auf den Genesis-Text beziehen werde, auf den Kampf Jakobs mit dem Unbekannten.

Dieser Text nämlich hat für mich eine grosse Faszination und zeigt m.E. u.a. die Auseinandersetzung des Menschen mit Gott, mit sich selber, mit anderen und mit dem Leben als Ganzes auf. Doch dazu später mehr.

Der Überquerung des Flusses Jabbok geht eine Geschichte voraus, die für den Grund dieser Reise wesentlich ist. So steht Jakob im Streit mit seinem Bruder Esau, weil er ihm das Erstgeburtsrecht und den Segen ihres Vaters Isaak entrissen hat. Esau hat sich daraufhin geschworen, Jakob umzubringen.

Nachdem mehrere Jahre inzwischen verstrichen sind, bemüht sich nun Jakob um Versöhnung mit seinem Bruder Esau. Und genau hier ist die gehörte Episode zu lokalisieren. Jakob macht sich nämlich auf den Weg der Versöhnung und schickt zunächst eine Herde Vieh als Geschenk voraus, um seinen Bruder gnädig zu stimmen. Auf diesem Weg zu Esau begegnet Jakob einem Unbekannten, der ihn überfällt, resp. ihn zum Kampf herausfordert.

Spannend ist bei dieser Kampfesgeschichte, dass ihr eine örtliche Sage zugrunde liegt, die darin eingeflossen ist. So erzählt diese Sage nämlich von einem übermächtigen Flussdämon, dem man sich stellen muss, wenn man den Fluss überqueren will, und zeigt damit die Gefahr auf, die früher eine Durchschreitung eines Flusses bedeutete.
Gut erkennen kann man die Aspekte dieser Sage auch darin, wie der Unbekannte Jakob sagt, er solle ihn loslassen, da die Morgenröte bereits aufgetaucht ist. Ein Dämon ist in nämlich in diesen Sagen nur in der Nacht mächtig und verliert diese Macht mit Anbruch des Morgens.

Mit der Einbettung dieser Sage in die Geschichte Jakobs ist nun weniger eine Auseinandersetzung mit den Gefahren des Flusses angesprochen, sondern vielmehr mit anderen Gefahren, und so ist auch Jakobs Kampf nicht ein Kampf mit einem Flussdämon.

Dieser Kampf hat bei Jakob ganz andere Aspekte, die m.E. zum Tragen kommen.
So nimmt m.E. dieser Kampf die Gefahren der bevorstehenden Begegnung mit Esau auf. In dem Sinne ist dieser Kampf ein Ringen von Jakob mit seinen Ängsten und seinen Hoffnungen in Bezug auf die Versöhnung mit Esau. Wir könnten somit sagen, dass dieser Kampf auch das Ringen mit seinem Bruder Esau darstellt.

Andererseits denke ich, dass sich dieser Kampf auch als eine Auseinandersetzung von Jakob mit seinen Schattenseiten sehen lässt, mit seinem üblen Spiel, das er mit Esau getrieben hat, und ist damit auch ein Kampf von Jakob mit sich selber. Er ringt somit eigentlich mit sich selber um Versöhnung mit den dunklen Aspekten in sich.

Und letztlich ist dieser Kampf auch als Gottesbegegnung zu verstehen. Denn letztlich erhofft er sich auch von Gott, dass er ihn trotz allem, was passiert ist, nicht fallen lässt.
So ringt er mit Gott und mit seinem ganzen Leben und erhofft sich, dass es dennoch zum Segen werden darf, ja, dass er selber ein Segen sein kann, auch für seinen Bruder Esau.

Dieser Kampf hat schliesslich zur Verwundung von Jakob geführt und zeigt damit auch die Wunden auf, die er bereits im Kampf mit sich, seinem Bruder und dem Leben erlitten hat. Doch er möchte nicht bei diesen Wunden stehen bleiben, sondern er möchte Heilung erfahren in sich selber, in seiner Beziehung zu seinem Bruder und in der Beziehung zu Gott und dem Leben.

Geht es uns im Leben nicht ebenfalls so, dass wir wohl mit vielem Ringen müssen, oft mit uns selber und immer wieder auch mit anderen und auch mit dem Leben und vielleicht auch ab und zu mit Gott oder unserem Gottesbild, das wir in uns tragen.

Doch bei alledem wünschen wir uns doch nichts Anderes als Segen, als Frieden und Versöhnung als das, was Maria in Jesus empfangen durfte: Leben, Liebe, Hoffnung und Licht.

Liebe Kämpferinnen und Kämpfer des Lebens

Am heutigen Tag, wo wir ebenso eine Überquerung hinter uns haben, blicken wir aufs vergangene Jahr zurück und vielleicht auch auf den einen oder anderen Kampf, den wir ausfechten mussten und in dem wir um Frieden und Liebe und letztlich um Segen ringen mussten.

Und vielleicht waren auch bei uns manche Kämpfe mitdabei, in denen wir uns mit unseren Ängsten und Hoffnungen herumzuschlagen hatten, in denen wir uns unseren eigenen Abgründen stellen mussten und in denen wir uns mit dem Leben und dem, was es mit sich bringt, auseinanderzusetzen hatten.

Und vielleicht gab auch bei uns Momente, in denen wir immer wieder neu um Versöhnung ringen mussten, sei es mit uns selber, mit unseren Mitmenschen oder mit dem Leben als Ganzes.

Und so wünschen wir uns wohl auch heute, dass wir mit dem vergangenen Jahr gesegnet in ein neues schreiten können, und sagen zum Vergangenen: „Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn.“

Und mit dem Geist von Maria können wir nun ins neue Jahr gehen und uns öffnen für das, was es uns bringen mag, v.a. aber für viele Momente der Liebe, des Lichts und des frischen Lebens. Und so dürfen wir die Weihnachtsbotschaft mit ins neue Jahr nehmen.

Und auch wenn wir vieles nicht in unseren Händen haben, können wir doch vieles dazu beitragen, indem wir selber nie aufhören um Leben, Liebe und Versöhnung zu ringen, indem wir selber Liebe verbreiten und indem wir so im neuen Jahr für uns selber und andere zum Segen werden.

So wünsche ich ihnen allen, ein gesegnetes neues Jahr!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s