Sterndeuter unterwegs, Version 2

Liebe Kinder, liebe Jugendliche, liebe Erwachsene,
An diesem Wochenende feiern wir Epiphanie, Erscheinung des Herrn, oder wie es meist genannt wird: das Fest der heiligen drei Könige.
Denn aus ursprünglich Sterndeutern oder Weisen aus dem Morgenland wurden allmählich im Laufe der Zeit Könige, die später sogar Namen erhalten haben: Kaspar, Melchior und Balthasar. Immer mehr wurde dieses Fest ausgebaut und ausgeschmückt. So gehört mittlerweilen die schöne Tradition der Sternsinger dazu, die Menschen zuhause besuchen, und so einerseits den Besuchten Freude bereiten und auch den Menschen, für die sie sammeln, eine Freude machen wollen.
Ausserdem ist bei uns auch der Brauch des Drei-Königs-Kuchens aufgekommen, bei dem jeder spasseshalber mal König werden kann.
Wenn wir die Kindheitsgeschichte im Matthäusevangelium lesen, sind da keine Könige erwähnt, auch nicht, dass es drei an der Zahl waren oder dass sie Namen hatten. All dies wurde erst im Laufe der Zeit ausgeschmückt. So kamen die Namen etwa im 6. Jh. Zum ersten Mal auf. Im Mittelalter wurde dann einer der drei Könige zusätzlich mit dunkler Hautfarbe dargestellt.
Mit dieser Ausschmückung dieser Erzählung wurde etwas gemacht, was eigentlich bereits Matthäus begonnen hatte. Denn auch Matthäus erzählt in seinem Evangelium nicht eine historische Gegebenheit, sondern hebt mit seiner Kindheitsgeschichte die Wichtigkeit von Jesus hervor und schmückt damit ebenfalls seine Geburt aus.
Und er tut dies natürlich im Rückblick auf das Leben von Jesus, wobei er mit der Erwähnung der Sterndeuter aus dem Osten v.a. die Welt der Nicht-Christen im Blick gehabt hat. Und er zeigt auf, dass Jesus auch für sie ein Heilsbringer ist.
Mit dem Stern weist er übrigens auf die Göttlichkeit von Jesus hin. Auch bei anderen Personen, v.a. Herrschern im griechischen, römischen und auch jüdischen Umfeld, wurde mit dem Stern, den man u.a. auf Münzen sehen konnte, die Göttlichkeit jener Personen hervorgehoben.
Der Stern ist aufgrund des griechischen Urtextes keine Sternenkonjunktion und auch kein Komet, sondern vielmehr ein Einzelstern. Doch aufgrund dessen, dass dieser Stern wandert, kann man ihn nicht als materiellen Stern sehen, sondern als Wunderstern, der eben dieser Vergöttlichung von Jesus gedient hat.
Der Stern wird sichtbar, er führt voran und er bleibt dann plötzlich stehen, dort, wo Jesus geboren wird.
Der Stern wandert genauso wie auch die Sterndeuter oder Weisen aus dem Osten.
Diese ganze Erzählung ist eine Weggeschichte, wie ganz viele andere Geschichten in der Bibel. Denken wir nur an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, an den Weg, den Josef und Maria nach Bethlehem und später nach Ägypten gehen mussten, das Unterwegssein von Jesus und seinen Jüngern oder auch die Flucht einiger Jünger nach dem Tod von Jesus nach Emmaus.
Das sind nur einige wenige Weggeschichten. Es gäbe noch viel mehr aufzuzählen.
Aber es ist wohl auch nicht weiter verwunderlich, dass wir viele dieser Erzählungen in der Bibel finden. Denn unser ganzes Leben ist ein Weg.
Matthäus zeigt in dieser Erzählung auf, dass die Sterndeuter auf dem Weg zu einem König waren, der so viel Anziehung besass, dass sogar Weise aus dem Osten sich zu ihm aufmachen. Er verdeutlicht damit auch, dass für ihn Jesus eine grosse Ausstrahlungskraft hat und das Heil und das Königreich, das Jesus nahe gebracht hat, allen Menschen gilt.
Eigentlich könnte man sagen, dass der Stern, der zu Jesus geführt hat und seine Verbindung mit dem Göttlichen sichtbar gemacht hat, auch für Jesus selber steht, für sein ganzes Leben, für sein Licht und seine Liebe.
Liebe Mitfeiernde
Ich weiss nicht, ob Sie den Film „Sternwanderer“ kennen. Darin wird eine wunderschöne Botschaft mitgeteilt, die für mich auch etwas von der christlichen Botschaft aufzeigt, und gewisse Parallelen hat zur Erzählung von Matthäus.
In diesem Film gelangt ein Stern zur Erde und nimmt dort die Gestalt einer jungen Frau an. Dort begegnet sie einem jungen Mann, der sie, den Stern, gesucht hat, um einer anderen Frau seine Liebe zu bezeugen. Auf dem gemeinsamen Weg werden sie anschliessend von verschiedenen Personen gejagt, weil diese das Herz der Frau suchen, das ihnen ewiges Leben verleihen soll. Der junge Mann steht ihr hierbei zur Seite und aus dem Einander-Zur-Seite-Stehen wird Liebe. Durch die Liebe erstrahlt sie immer heller und mit diesem Licht lassen sich die bösen Gestalten besiegen.
Und ihr Herz verschenkt sie im übertragenen Sinne ihrem Geliebten, der erfährt, dass er Thronfolger ist. In der Folge davon leiten sie viele Jahre zusammen ein Königreich, bevor sie danach gemeinsam zum Himmel emporsteigen und dort als Sterne thronen und gemeinsam ewig leben.
In dieser Erzählung, diesem Film erkenne ich viele Parallelen zu Jesus und seiner Geschichte. Es tönt schon fast ein bisschen wie eine Variation: Ein Stern, der zum Menschen wird und auf der Erde liebt und Liebe erfährt, sich gegen Zerstörung wehrt und Frieden und Licht verbreitet, und letztlich zum Himmel zurückkehrt.
Doch für mich zeigt diese Geschichte auch auf, wie wir wie Sterne erstrahlen und leuchten können, wenn wir Liebe erfahren und leben.
Und wir könnten sagen, dass auch wir Sternwanderer sind, die auf der Suche sind nach Liebe, nach dem Licht und nach dem Himmlischen hier auf Erden.
Ich wünsche uns in diesem Sinne, dass wir wie die Sterndeuter auf unserem Weg dorthin geführt werden, wo wir den Geist Jesu und damit Gottes Spur in der Welt finden, und dass wir wie der junge Mann Sternwanderer sein können, die auf der Suche sind nach Liebe und dabei auf unserer Wanderung Sternen begegnen und Licht, das so hell leuchtet, dass damit alles Üble aufgelöst wird.
Ich wünsche uns einen gesegneten Weg, eine eigene sinn- und lichterfüllte Weggeschichte, auf dem wir selber mehr und mehr erstrahlen können und unsere Liebe so stark wird, dass sie uns nicht mehr genommen werden kann.
Und ich wünsche uns viele Orte, wie der Ort an der Krippe bei Jesus, wo sich uns der Himmel öffnet und das Licht der Sterne in unser Herz strahlt.
Amen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s