Predigt zu Lk 24,35-48: Vom Absurden zum Wesentlichen od. Der Kern der Auferstehungsbotschaft

Liebe Mitfeiernde

Ich weiss nicht, wie es Ihnen mit dem heutigen Evangeliumstext geht. Aber bei mir ist er zuerst ziemlich schräg angekommen. Mit der demonstrativen Vorführung vom auferstandenen Jesus mit Fleisch und Knochen und seiner Demonstration des Essens von Fisch vor den Augen der Jünger wird m.E. alles sehr absurd.

Es kommt wirklich schräg rein.

Doch um dieses Schräge verstehen zu können, müssen wir wahrnehmen, in welcher Situation Lukas gestanden ist.
Wir können davon ausgehen, dass er sich mit dieser Erzählung von Einwänden und Zweifeln von seinen Zeitgenossen hat distanzieren wollen. Er ist damit den Behauptungen entgegentreten, dass Jesus nicht auferstanden ist oder nur in einem Scheinleib oder dass die Erscheinungen nur Einbildungen seien.

Lukas scheint in diesem Text dem Einhalt gebieten zu wollen. Doch im Ernst: Welcher Zweifler würde eine solche Erzählung wirklich als Beweis gelten lassen und sich nicht vielmehr ab der grossen Absurdität amüsieren?

Ich denke, wir müssen ehrlich sein und eingestehen: Es gibt keine Beweise für die Auferstehung Jesu und man hätte sie auch nicht fotografieren können.

Doch ich kann mir gut vorstellen, dass Lukas gar keine Beweisführung im Sinn hatte, sondern vielleicht gerade durch diese schräge Erzählung aufzeigen wollte, dass Auferstehung nicht irdischen Kategorien unterworfen ist. So schreibt Lukas nämlich auch an einer anderen Stelle, als Jesus nach der Auferstehung gefragt worden ist, dass die Auferstandenen den Engeln gleich seien, sich körperlich also klar von Menschen unterscheiden.

Und auch Paulus zeigt im 1.Korintherbrief mit schönen Bilder und auch mit dem Bild des Samenkorns klar auf, dass der himmlische oder überirdische Leib stark vom irdischen Leib unterschieden werden muss.

Die Auferstehung zeigt somit eine Wirklichkeit auf, die nicht so leicht vorstellbar ist. Und dennoch können wir Menschen bzgl. Jenseitsvorstellungen nicht anders, als es uns auszumalen mit den Möglichkeiten, die wir haben.

Die griechische Vorstellung, die wohl Lukas auch kannte, und von der er sich mit seiner Beschreibung wahrscheinlich zusätzlich abgrenzen wollte, war, dass beim Tod sich die Seele vom Körper trennt. Der Körper verwest und die Seele lebt weiter.

Auch heute ist diese Vorstellung stark verbreitet. Doch die Jenseitsvorstellungen sind so vielfältig wie die Zahl der Menschen auf der Erde.

Die einen glauben an einen Himmel und eine Hölle, andere wiederum an eine Rückkehr zu Gott, wieder andere, dass wir als Engel weiterexistieren, weitere glauben, dass wir wieder zur Erde zurückkehren als neue Person, die neue Herausforderungen zu meistern hat. Ich könnte hier noch zig Vorstellungen aufzählen.

Doch meine provozierende Frage dazu lautet: Spielt es überhaupt eine Rolle, was wir bzgl. Jenseits glauben? Macht dieser oder jener Glaube uns zu einem besseren Menschen?

Aus meiner Sicht sind die Jenseitsvorstellungen eher zweitrangig, ausser sie beeinflussen unser Handeln im Hier und Jetzt.
Zum Beispiel: Wenn wir an einen Himmel und eine Hölle glauben und bereits meinen zu wissen, wer wo landen wird, oder an Reinkarnation glauben und bereits meinen ein Urteil bilden zu können, wer noch viel zu lernen hat und eher noch auf einer unteren Stufe der Entwicklung steht und wer dem Nirvana schon nahe ist.

Ehrlich gesagt, in solchen Fällen wäre es m.E. besser, wenn diese Menschen bzgl. Jenseits alles offen lassen würden und dafür auch offen bleiben würden den Menschen gegenüber.

Liebe Mitfeiernde

Ich denke, dass die wesentliche Aussage, der Kern der Auferstehungsbotschaft uns nicht zu einer ganz bestimmten Jenseitsvorstellung hinführt, sondern uns die Hoffnung gibt auf ein Leben nach dem Tod. V.a. aber weist die Auferstehung uns auf das Leben von Jesus hin. Denn die Auferstehung ist eine Bestätigung und Erhöhung seines Lebens.

Und die Botschaft der Auferstehung weist uns somit nicht ins Morgen oder Übermorgen oder ins Jenseits, sondern ins Hier und Jetzt.

So sind auch die drei Frauen am leeren Grab von einem Engel aufgefordert worden, Jesus in Galiläa zu suchen, dort, wo er sein Leben gelebt hat. Und so sind auch wir aufgefordert, mitten ins Leben zu gehen und im Hier und Jetzt den Kern von Jesu Leben in unser Leben zu integrieren.
So sind wir aufgefordert, nach seinem Hauptgebot zu leben: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie Dich selbst.“

Auferstehung bedeutet so auch, dass wir mitten im Leben aufstehen und einstehen füreinander, für Gerechtigkeit, für Barmherzigkeit und Liebe. Und dass wir so miteinander an einer Welt bauen, die Inbegriff ist von Solidarität und Frieden.

Und wenn wir dies gemeinsam leben und gemeinsam dafür beten, dann ist Jesus, der Auferstandene, der lebt, unter uns.

Ganz im Sinne von Jesus: Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Amen.

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