„Ein Stern geht über uns auf“ (Predigt zu Mt 2,1-12 + Jes 60,1-6)

In der Lesung aus dem Jesajabuch (Jes. 60,1-6) wird von der Hoffnung gesprochen, dass ein Licht erscheint, das das Dunkel erhellen kann. In der Zeit, in der dieser Text geschrieben wurde, nämlich in der Zeit nach dem Exil und der Rückkehr ins zerstörte Jerusalem, haben die Menschen damals diese Hoffnung ganz besonders benötigt.

Aus der Sicht des neuen Testaments wird später diese Hoffnung in Jesus Christus erfüllt gesehen. Und auch die Zeit, als Jesus ins Leben getreten ist, ist alles andere als lichtvoll gewesen. Vielmehr ist Israel unter römischer Herrschaft gestanden, der sogenannten Pax Romana, was eigentlich „römischer Frieden“ bedeutet. Aber mit Frieden hat diese „Pax Romana“ nicht wirklich viel am Hut gehabt, denn sie hat eher dem Unterdrücken von Widerständen und Unruhen entsprochen.

Genau in dieser Zeit haben Sterndeuter aus dem Osten, die nach heutigen Erkenntnissen aus dem Raum Persien gekommen und einer Priesterklasse entstammt sind, in den Sternen den Hinweis auf einen neuen König gesehen. Genauer gesagt hat sie ein ganz bestimmter Stern dorthin geführt, wo sie diesen König haben finden können.

Diese Weisen aus dem Osten haben sich in der Kunst des Sterndeutens, der Astrologie, und auch in der Kunst des Traumdeutens besonders gut verstanden.

Ein Stern hat ihnen also den Weg zu diesem König gewiesen, der jedoch nicht den üblichen Normen eines Königs entsprochen hat, wie die Menschheit später hat herausfinden können.

Die Sterne haben die Menschen schon immer fasziniert und oft wurde ihnen auch ein tieferer Sinn zugesprochen.

In der Antike hat es z.B. eine Vorstellung gegeben, nach der mit jeder Geburt eines Menschen ein Stern am Himmel erscheint, der nach dem Tod dieses Menschen wieder verschwindet. Und je berühmter oder wichtiger eine Person ist, desto heller scheint dieser Stern.

Der Stern über Bethlehem hat sehr hell geleuchtet und hat damit auch auf einen besonders wichtigen Menschen hingewiesen: Jesus.

Doch mit diesem Bild des Sterns wird auch ein Bild des Menschen gezeichnet. Wir, Menschen, sind wie Sterne, die hell leuchten. Oder anders gesagt wie Sonnen, die Wärme spenden. Denn jeder Stern am Himmelszelt ist nichts anderes als eine Sonne.

Dass besonders Jesus so oft mit dem Symbol der Sonne in Zusammenhang gebracht worden ist und wird, ist kein Zufall. Auch nicht, dass Weihnachten, die Geburt Jesu, um die Zeit der Wintersonnenwende gefeiert wird. Denn mit Jesus wird die Dunkelheit Tag für Tag weniger und das Licht wird zusehends stärker und gewinnt an Kraft.

So sind wir eingeladen, zusammen mit den drei Weisen zum Kind in der Krippe zu gehen, dort dieser Sonne zu begegnen und sich von ihr mit Licht und Wärme erfüllen zu lassen. So können wir durch sie auch selber immer mehr Licht und Wärme in unsere Welt bringen.

Und so wie der Stern über Bethlehem, der für Jesus selber steht, für die drei Sterndeuter ein Wegweiser gewesen ist, der zu Gottes grosser Liebe im kleinen Kind in der Krippe geführt hat, ist dieser Stern auch für uns ein Wegweiser, der uns an die Krippe führt, hin zum Jesuskind.

Er führt uns dorthin, wo alles anfängt,

dorthin, wo sich das Leben von Jesus entfaltet und auch heute noch unter uns und in uns ereignet.

So wie die Sterndeuter den Weg zum neugeborenen König in der Krippe gefunden haben, nehmen uns an diesem Wochenende auch die Sternsinger mit ihren Gesängen, Segenswünschen und ihrem solidarischen Einsatz für benachteiligte Kinder mit zum Jesuskind in der Krippe.

Mit ihren Segenssprüchen wünschen sie den Menschen, dass ihnen Gutes widerfahren soll. Denn dies ist auch die Bedeutung des lateinischen Wortes für Segnen: Gutes zusprechen.

Auch ich möchte Ihnen von Herzen alles Gute wünschen und zusprechen.

Vor allem aber wünsche ich Ihnen und uns allen, dass es uns immer wieder gelingt,

den Weg zu finden, hin zum Kind in der Krippe,

dorthin, wo alles angefangen hat und anfängt,

dorthin, wo die Liebe Gottes sich uns Menschen in Jesus Christus gezeigt hat und immer wieder neu zeigt,

dorthin, wo sich das Leben entfaltet,

dorthin, wo wir das Leben von Jesu revue passieren lassen können,

um diesem Leben in unserem Leben Raum zu geben,

oder anders gesagt,

dorthin, wo die Sonne über uns aufgeht.

Und ich wünsche uns allen,

dass jeden Tag und jede Nacht neu ein Stern über uns aufgeht,

dass unser eigenes Leben an Leuchtkraft gewinnt

und

dass wir spüren dürfen, auch wir sind dieser Stern, diese Sonne am Himmel,

die für uns und für andere leuchtet und das Leben von uns allen heller macht.

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