Ostergedanken zu Lk 24,13-32 (Weg nach Emmaus)

Liebe Leserinnen und Leser

Ist es Ihnen auch schon so ergangen, dass eine ganz bestimmte Situation in ihnen starke Erinnerungen an eine geliebte, verstorbene Person geweckt hat und diese Person für sie dann sehr präsent war?
Vielleicht war der Auslöser hierfür z.B. ein Ort, bestimmte Bilder, Gerüche oder ein Musikstück?

Die beiden Jünger auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus haben aus meiner Sicht nach dem Tod Jesu wohl eine ganz ähnliche Erfahrung gemacht.

Beim Brotbrechen mit einem in diesem Moment noch Fremden wird für sie im Laufe des Abends plötzlich Jesus sichtbar, ja man könnte vielleicht auch sagen, dass in dieser Begegnung mit dem Fremden, seinem Mitgehen auf dem Weg, seinem Dasein für die Jünger und seinem Beten und seinem Teilen des Brotes Jesus durchscheint. Das gemeinsame Reden unterwegs, das gemeinsame Beten und Essen hat in ihnen wohl Erinnerungen anklingen lassen an die gemeinsame Zeit mit ihrem verstorbenen Freund, und hat Jesus für sie auf einmal ganz präsent und auch spür- und sichtbar werden lassen.

Dies ist m.E. nicht nur eine Erfahrung, die diese beiden Jünger mit Jesus gemacht haben, sondern eine Erfahrung, die ganz ähnlich von verschiedenen Menschen, die eine geliebte Person verloren haben, immer wieder gemacht wird.

So steigen bei einer Person vielleicht beim Backen von Osterfladen, mit dieser Handlung und dem damit verbundenen Geruch Erinnerungen auf ans gemeinsame Backen mit der verstorbenen Mutter. So ist sie dann plötzlich ganz nah und scheint einen Moment lang wirklich spürbar zu sein. Und vielleicht ist sie das ja auch, so wie auch die Jünger bei Jesus davon überzeugt gewesen sind.

Genauso wie eben auch bei Jesus hör ich auch immer wieder von Angehörigen, die von Augenblicken berichten, in denen sie wirklich so fest die Nähe der verstorbenen Person spüren, dass sie überzeugt sind, dass die geliebte Person, die sie verloren haben, da ist. Und diese Möglichkeit ist m.E. keineswegs auszuschliessen, denn ich bin davon überzeugt, dass es mehr gibt, als wir sehen und mit äusserlichen „Fakten“ belegen können.

Doch vielfach gehen solchen Erfahrungen Gefühle, Gerüche, Bilder voraus, die Erinnerungen wachrufen und wie ein wertvoller Schatz sind. Diese Erinnerungen schliesslich bilden dann eine Art Brücke zur verstorbenen Person und holen diese Person sozusagen wieder in die Gegenwart.

Ganz ähnlich erscheint es mir wie bereits erwähnt im gehörten Bibeltext aus dem Lukasevangelium.

Für mich ist diese gesamte Erzählung vom Weg der Jünger nach Emmaus, weg von Jerusalem, wo sie den Tod von ihrem Freund erleben mussten, wie ein Weg der Trauerbewältigung mit den vielen Facetten und Aspekten, die sich dabei zeigen können.

Die beiden Jünger, die in tiefer Trauer sind, spüren zunächst wohl, dass sie in diesem Moment nicht allein sein möchten und gehen darum gemeinsam nach Emmaus. So hab ich auch schon bei vielen trauernden Menschen erfahren, wie sie froh sind, wenn sie jemanden haben, der / die sie begleitet, obwohl es natürlich auch Menschen gibt, die dann lieber allein sein möchten.

Die Jünger haben Schmerz, Verzweiflung und Leere durch diesen Verlust erfahren und halten es nicht mehr aus in Jerusalem. Sie brauchen Distanz. Auch dies kann eine Erfahrung sein, die der eine oder die andere als Bedürfnis in dieser Zeit wahrnimmt.
Nach einem Verlust eines geliebten Menschen machen viele sowohl hilfreiche und tröstende Erfahrungen mit ihren Mitmenschen wie auch irritierende und unpassende, vielleicht sogar verletzende.
Oft sind gutgemeinte Ratschläge oder fromme Sprüche eher abträglich. Was aber eher helfen kann, ist, wenn Menschen einem zuhören, einen zu verstehen versuchen und einfach da sind und dabei spürbar wird, dass sie innerlich mitgehen. Ebenso unterstützend kann sein, wenn Menschen für einen da sind, die nachfragen und sich wirklich für einen interessieren, Menschen vielleicht sogar, die mit einem gemeinsam danach suchen, was in diesem schwierigen Moment Halt geben kann und die auch bei einem bleiben, wenn es Nacht wird, wenn die Dunkelheit spürbar wird.
Das sind alles Elemente, die ich bei dem Fremden wahrnehme, der die Jünger begleitet und den sie schliesslich als ganz Vertraut, als ihren verstorbenen Freund Jesus wahrnehmen, nachdem sie mit ihm all ihren Schmerz teilen konnten.

Jesus wird ihnen dann mit seinem Leben und Handeln so stark in Erinnerung gerufen, dass er greifbar da ist mit ihnen am gemeinsamen Tisch.
Er, der mit ihnen zunächst ganz still mitgegangen ist und ihren Gedanken gelauscht hat, die sie ausgetauscht haben. Er, der nicht nur äusserlich, sondern auch innerlich mitgegangen ist, der sich für sie und das, was sie beschäftigt, interessiert hat. Er, der ihnen geholfen hat, wieder Sinn im Leben zu finden.

Dies hat die Jünger berührt und es hat ihnen gut getan, dass sie auch am Abend, als es dunkel geworden ist, nicht alleine waren.

Dann haben sie gemeinsam gebetet und auch Gott gelobt und gedankt und das Brot geteilt so wie sie vorher auch all das geteilt haben, was sie in ihrem Herzen bewegt und beschäftigt hat.
Bestimmt haben sie auch gedankt für all die lichtvollen Momente, die sie zusammen mit Jesus erlebt haben, mit diesem Menschen, den sie nun so sehr vermissen.
Doch genau in diesem dichten Augenblick des
wohltuenden Zusammenseins und der Erinnerung an ihren geliebten Freund gehen ihnen die Augen auf und sie sehen, wer da bei ihnen gewesen ist und wie er ihnen eigentlich nicht nur Brot, sondern wie er ihnen so vieles gegeben hat, sowohl im Leben wie auch darüber hinaus, auf diesem Weg, den sie gegangen sind.
Und sie spüren, wie sehr es ihnen gut getan hat, wie sehr ihr Herz beim Unterwegs-Sein mit Jesus gebrannt hat.

Ich denke, dass diese spürbare Liebe, die da im Raum war, ein Auslöser dafür war, dass sie wahrgenommen haben, wie ihr geliebter Freund da in ihrer Mitte ist, ganz lebendig, ganz präsent.

Doch dann beginnen sie vielleicht darüber nachzusinnen und damit entschwindet Jesus vor ihren Augen wieder und dieser Moment ist wieder vorbei.

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

Ich weiss nicht, wie es Ihnen mit dieser Erzählung geht, aber mich berührt dieser Text jedes Mal wieder neu und wie bei den Jüngern fängt auch mein Herz dabei an zu brennen. Denn es ist so, wie ich mir auch selber in Zeiten der Trauer, der Not und des Leids wünsche, von Mitmenschen begleitet zu werden und für mich selber ist es auch das, was ich als Seelsorger für meine Mitmenschen sein möchte: ein Begleiter, ein Mensch, der zuhört,
der ganz mitgeht mit dem Gegenüber, der ihn oder sie wahrnimmt mit allem, was sie oder ihn beschäftigt. Zudem ist es mir ein Anliegen mit Nachfragen verstehen zu können, was mein Gegenüber bewegt und welche Fragen und Gefühle da sind.
Und wie Jesus bei den Jüngern Sinn ins Ganze gebracht hat, möchte auch ich mit meinen Mitmenschen gemeinsam auf der Suche sein, nach dem, was Sinn und Halt geben kann und versuchen, Zusammenhänge zu erkennen, wo welche gegeben sind.
Gleichzeitig ist mir aber auch bewusst, dass es im Leben auch immer wieder Momente gibt, in denen nichts anderes bleibt, als auch Sinnlosigkeit auszuhalten. Gerade dann bin ich als Mitmensch meist aufgefordert, das Bedürfnis, die Sehnsucht und den Wunsch wahrzunehmen, der im Raum ist. Oft ist dann auch der Wunsch da, den die Jünger gegenüber Jesus geäussert haben: „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden.“ Dann geht es einfach nur darum, dabei zu bleiben, da zu sein, oft einfach nur zuzuhören und manchmal gemeinsam zu ringen mit den Fragen, die sich dann stellen, und so etwas Trost zu bieten.

Wir alle stehen in einer momentan sehr schwierigen Zeit, in der wohl viele von uns grosse Sehnsucht haben nach Begegnungen und dass jemand da ist, der uns zuhört und uns begleitet.
So wünsche ich uns allen, dass wir uns in dieser Zeit beistehen und begleiten können, auch wenn es nur am Telefon oder mit den Worten in einem Brief oder dem Denken an die andere Person ist.
Gleichzeitig wünsche ich uns aber auch, dass wir in dieser schwierigen Zeit, in der wir stehen und die für viele eine persönliche Fasten- und Passionszeit darstellt, möglichst bald Lichtblicke und Anzeichen neuen Lebens spüren und so sozusagen „Auferstehung“ erfahren dürfen in unserem Alltag, körperlich, psychisch und finanziell.
So hoffe ich für uns alle, dass wir einander bald wieder in die Arme nehmen können und wieder mehr physische Nähe möglich wird.
Und ganz im Sinne der Erfahrung der Jünger auf dem Weg nach Emmaus wünsche ich Ihnen auch auf ihrem eigenen Weg immer wieder Menschen, die für Sie da sind, die Ihnen vertraut sind oder vertraut werden und mit Ihnen mitgehen, innerlich wie äusserlich.
Mögen Sie sich immer wieder getragen fühlen dürfen, sei es durch diese vertrauten Personen, durch die Liebe, die sie miteinander verbindet, aber auch durch Gott und die Lebenskraft, die in Ihnen fliesst.
Amen.

„Du bist meine geliebte Tochter / mein geliebter Sohn“: Predigt zur Taufe Jesu (Mt 3,13ff.)

Liebe Mitfeiernde

Heute feiern wir die Taufe von Jesus. Jesus hat sich aber nicht wie heute üblich als Kind taufen lassen, sondern als Erwachsener.
So war es auch in den christlichen Kirchen lange üblich und so hat dies auch Johannes vollzogen.
In den christlichen Kirchen war es damit ein bewusster Schritt hin zum christlichen Glauben und ein bewusstes Ja in der Nachfolge von Jesus.
Bei Johannes wiederum ist die Taufe ein Zeichen des Willens zur Umkehr und ein Ritual zur Vergebung der Sünden.
Wer sich von ihm taufen lässt, will seine Sünden abwaschen und taucht unter als alter Mensch und auf als erneuerter Mensch. So ist zumindest die Hoffnung. Doch wir wissen natürlich, dass dies keineswegs so einfach ist.

Die einen würden jetzt wahrscheinlich sagen: „Jesus hat diese Taufe ja gar nicht nötig“. Doch viele Deutungen sehen darin eine Art Solidarisierung von Jesus mit den Menschen, die Sünde und Schuld erfahren.

Ich selber sehe in der Taufe Jesu vor allem, wie er eine ganz andere Dimension hineinbringt.
Denn bei ihm steht nicht mehr die Sünde und die Reinwaschung davon im Zentrum, sondern die Liebe. Die Taufe wird hier zu einer Art Liebeserweis, zu einem Zeichen der Liebe von Gott zu Jesus.

Sichtbar wird dies mit dem Sich-Öffnenden Himmel und dem Geist Gottes, der wie eine Taube zu Jesus herabkommt.
Bei Matthäus ist dann die Rede von einer Stimme aus dem Himmel, die sagt: «Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.»
Bei Lukas und Markus steht dieser Satz in einer mir sympathischeren, persönlicheren Form. Da lautet die Zusage nämlich: «Du bist mein geliebter Sohn. An Dir hab ich mein Wohlgefallen gefunden.»

Die Taufe in diesem Sinne als Liebeszusage trägt viel Kraft in sich. Und ich bin sicher, dass Jesus dadurch viel zusätzlichen Schub, Motivation und Schwung bekommen hat. Denn es ist wie ein positiver Motor für sein Handeln und Wirken.
So bringt die Taufe von Jesus für mich ein Wechsel des Schwerpunkts mit sich, weg vom Fokus auf Schuld und Sünde hin zur Stärkung des Positiven und Aufbauenden.
Denn m.E. hat ein stärkendes Wort wie «Du bist mein geliebter Sohn» oder «Ich liebe Dich» mehr Kraft als ein Blick auf Sünde und Schuld oder Hinweise auf Fehler und eine Zurechtweisung.
In der Zeit, in der ich selber taufen konnte, habe ich stets diesen positiven Aspekt betont und die Liebe von Gott aufgezeigt und natürlich auch die Freude am neuen Leben sichtbar gemacht, die bei einer Kindertaufe kurz nach der Geburt auf der Hand liegt. Und bei uns heute ist die Taufe ja auch eine Aufnahme in die christliche Gemeinschaft, die ebenso eine tragende und stärkende Kraft haben soll wie eben auch diese Liebeszusage von Gott.
Denn ich habe auch bei meinen Kindern die Erfahrung gemacht, dass es oftmals viel hilfreicher und sinnvoller ist, wenn ich ihnen in Zeiten, in denen vieles schief läuft oder auch wenn sie sich schuldig fühlen, zeige, mitteile und zu spüren gebe, wie sehr ich sie liebe. Vorwürfe zu machen ist dann meist nur kontraproduktiv, denn eigentlich ist in ihnen meist alles da, was sie an Ideen und Optionen brauchen, um die Schwierigkeiten und das eigene Scheitern angehen zu können.
Ich denke schon, dass es im Leben auch Momente gibt, in denen es wichtig ist, Zerstörerisches, Ungerechtigkeit, Gewalt usw. beim Namen zu nennen und zu verurteilen.
Doch ich denke, dass viel Leid und Unrecht verhindert werden könnte, wenn sich mehr Menschen auf dieser Welt geliebt fühlen würden und dieses Gefühl auch anderen weitergeben könnten. Denn ich bin davon überzeugt, dass dieses Gefühl, dieses Wissen dazu beiträgt, weisere, friedvollere und gerechtere Entscheide fällen zu können und besser mit schwierigen Situationen umgehen zu können.
Für mich ist deshalb die Taufe von Jesus ein bildhaftes Beispiel, das die riesige Kraft aufzeigt, die in einer solchen Zusage liegt, die Jesus dort am Jordan zugesprochen bekommen hat.
Denn er hat danach auf seinem weiteren Lebensweg so viele Menschen aufrichten können, sie geheilt, sie befreit aus Verstrickungen und Schuld, sie ermutigt, sie trotz ihrer Fehler angenommen und gezeigt, dass das wichtigste die Liebe ist.

Bei alldem, da bin ich überzeugt, hat er stets die Liebe gespürt, die ihm von Gott zukommt und auch um die Liebe gewusst, die seine Eltern für ihn haben.
Das ist ein Rucksack, der nicht schwer und mühsam ist, sondern der antreibt, der wie ein Motor Kraft gibt. Und dieses Wissen, dieses Gefühl, geliebt zu sein, geht so tief, dass es wie eine stets sprudelnde Quelle ist, aus der in jedem Moment geschöpft werden kann.
Aus dieser Quelle, aus dieser Liebe von Gott, hat Jesus sein ganzes Leben lang geschöpft und konnte so zu einer hoffnungsvollen Person werden, die auch die Evangelisten in ihm gesehen haben.
Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass sie ihn mit der hoffnungsvollen Figur des Gottesknechts verglichen haben, von dem im Jesajabuch steht, dass er den Nationen das Recht bringt und Menschen aus der Gefangenschaft und vom Dunkel ins Licht führt.
Dieser Gottesknecht, diese literarische Figur, die mit vielen verschiedenen Personen in Zusammenhang gebracht worden ist, hat in der Zeit der babylonischen Gefangenschaft, im Exil, Hoffnung verbreitet.
Und Jesus hat in der Zeit, in der er gelebt hat, ebenso den Menschen Hoffnung sein können, indem er so vielen Menschen Licht und Linderung der Not gebracht hat.
Doch damit Jesus zu dieser hoffnungsvollen und heilvollen Person werden konnte, brauchte es m.E. diese Worte der Liebe, die Jesus in der Taufe gespürt hat, und die Gewissheit, von Gott geliebt zu sein. Und dies hat sein ganzes Leben geprägt, wie wir in seinem Handeln und Wirken erkennen können.

Und ich bin überzeugt, dass eine solche Zusage wie «Du bist mein geliebter Sohn» / «Du bist meine geliebte Tochter» und das tiefe Wissen darum und der tiefe Glaube daran auch uns beschwingt und hilft, das Leben mit mehr Vertrauen, mehr Freude, mit mehr Charme und Zauber, wie wir am Anfang gesungen haben, und mehr positiver Energie gestalten zu können.
Hilfreich ist es natürlich, wenn wir dies vom Elternhaus so zu spüren und sozusagen mit auf den Weg bekommen haben.
Wenn dies aber nicht so erfahren werden konnte, ist es umso wichtiger, dass wir Liebe von unserer Partnerin oder unserem Partner oder von Freunden erfahren können.
Und nicht zuletzt finde ich, dass wie Jesus auch wir darauf vertrauen dürfen, dass uns auch Gott mit ganzem Herzen liebt und dass er auch zu uns sagt: «Du bist mein geliebter Sohn» / «Du bist meine geliebte Tochter».

Liebe Töchter und Söhne Gottes,
ich wünsche Ihnen, dass sie jeden Tag mehr auf der Basis dieser Liebeszusage leben und wirken können und dass sie so über sich selber hinauswachsen und immer wieder aus dieser sprudelnden Quelle schöpfen können.
Amen.

„Ich steh an deiner Krippe hier“ – Weihnachtspredigt

Liebe Mitfeiernde

Im Advent haben wir uns ganz und gar der Schwangerschaft von Maria und dem Schwanger-Sein im Allgemeinen zugewandt. Und mit dem Stubenwagen haben wir gezeigt, wie in Erwartung eines Kindes Eltern oft schon das Elternzimmer einrichten und eben auch den Stubenwagen bereit stellen.

Bei Maria selber ging es nicht so komfortabel zu, im Gegenteil. Sie musste in der Fremde ihr Kind zur Welt bringen und hat dabei nicht einmal eine Unterkunft gefunden in einer Herberge, sondern musste an der Tränke und am Futtertrog bleiben, dort, wo die Tiere wohl gefüttert und gepflegt worden sind, während die Besitzer in der Herberge waren. Von einem Stall ist da eigentlich bei Lukas keine Rede.
Dort in einer simplen Futterkrippe musste sie ihr Kind also nach der Geburt hineinlegen. So war es natürlich auch ein bisschen geschützt vor Wind und Kälte und vor den Hufen der Tiere, die da herumgestanden sind.

Dort in dieser Futterkrippe erblickt dann Jesus, den Maria neun Monate in sich getragen hat, das Licht der Welt und wird schliesslich selber zum Licht für die Welt.
Dort in der Krippe beginnt seine Geschichte, mit der sich uns Gott selber zeigt, als «Gott-mit-uns», Immanuel.

Dort in der Krippe ertönt das Lied von Jesus, das in die Welt hinausgetragen wird, das von Frieden singt und Freiheit, von Erleichterung und Bestärkung, von erfüllten Hoffnungen und geheiltem Leid, von neuem Leben und Begeisterung, von Gerechtigkeit und der Zuwendung zu den Armen und Unterdrückten.

Dort in der Krippe wird sichtbar,
dass Gott uns liebt,
dass Gott es gut mit uns meint,
dass Gott will,
dass nicht nur Jesus, sondern wir alle Licht sind und Licht geben.
Dort in der Krippe, in einem einfachen Futtertrog, begegnet uns Gott selber.
Dort in der Einfachheit, im Unerwarteten zeigt Gott seine Nähe.

Eine einfache Futterkrippe wird plötzlich zum Mittelpunkt.

Sie, die Nahrung für die Tiere bereithält, hält plötzlich Nährendes für uns alle bereit.
In der Futterkrippe finden wir plötzlich ein Kind, der uns mit seinem Leben wie Brot stärken und viele Menschen ermutigen und aufrichten wird.
In der Futterkrippe liegt dieses Kind, das als Erwachsener wie Wasser den Durst vieler stillen wird, den Durst nach Erfüllung und Frieden, den Durst nach Liebe und Heil.

Diese Krippe trägt plötzlich so viel Licht in sich und wird so auch in vielen Liedern bis heute besungen. Wie auch im bekannten Lied «Ich steh andeiner Krippe hier» mit dem Text von Paul Gerhardt, einem lutherischen Theologen, das in heutiger Fassung auf eine Melodie von Martin Luther zurückgeht.

Dieses Lied lädt uns ein, selber an dieser Krippe zu stehen, dort, wo das Heil seinen Lauf nimmt, dort, wo Gott ins Leben kommt, dort, wo ein Licht aufscheint, dort, wo Leben entsteht, dort, wo in der Einfachheit Gottes Nähe spürbar wird, dort, wo die Liebe sich zeigt.

Dieses Lied ermuntert uns aber auch, unser Leben Jesus zu schenken und in seinem Sinn und Geist zu leben. Und in diesem Lied drückt sich auch eine tiefe Liebe und Zuneigung zu Jesus aus, die soweit geht, dass sogar der Wunsch geäussert wird, selber ein Meer sein zu wollen, in dem Jesus mit seiner ganzen Fülle Platz findet. Und in einer Strophe, die nicht in unserem Gesangsbuch steht, wird sogar dem Wunsch Ausdruck verliehen, die Krippe mit Rosen, Nelken und Rosmarin zu schmücken und mit Samt und Seide zu polstern.

Mit dieser tiefen Verbundenheit wendet sich dieses Lied dem Kind in der Krippe zu und möchte uns mitnehmen zu dieser Krippe.

Liebe Mitfeiernde

Ja, nehmen wir doch Weihnachten zum Anlass, uns selber auf den Weg zu machen hin zur Krippe, zu den Krippen in dieser Welt und suchen wir mitten in unserem Leben das, was Jesus mit seinem Leben uns nahe gebracht hat: das Lichtvolle, das Heilvolle, das Befreiende und das Recht-Schaffende und all das, was dem Leben Raum gibt.

Gehen wir doch selber zur Krippe hin, dorthin, wo das Leben von Jesus begonnen hat, und lassen wir sein Leben in unseres überfliessen und in seinem Sinn und Geist uns einander zuwenden und füreinander da sein.

Ja, und ich möchte sie einladen, sogar noch einen Schritt weiterzugehen und selber im übertragenen Sinne zu einer Krippe zu werden, damit nicht nur im eigentlichen Sinne Nährendes in uns Platz findet, das, was stärkt und lebendig macht, wie das Futter im Futtertrog, sondern dass wir auch zum Ort werden, in dem Jesus mit seinem Leben und seiner Botschaft sich ausbreiten darf und in dem Gott selber Raum findet.
So machen wir uns selber zu dem Ort, wo Weihnachten stattfinden kann, hier und heute, und öffnen uns so für alles Lichtvolle, für all das, was gesund macht und befreit, für das, was Sehnsucht nach Sinn und Erfüllung stillt, und für das, was Frieden und Gerechtigkeit einen Weg ebnet.
Werden wir doch selber jeden Tag mehr zur Krippe, in der die frohe Botschaft und die Heilsgeschichte von Jesus beginnt und seinen Lauf nimmt und die Liebe Gottes Hand und Fuss bekommt, auch durch uns.

So feiern wir Weihnachten und lassen Gott in und unter uns zur Welt kommen.
Amen.

Maria – Mit Gott schwanger (Predigtgedanken zur Schwangerschaft von Maria und Mt 1,18-24)

Liebe Mitfeiernde

Über Marias Schwangerschaft wissen wir nicht so viel. Doch wir können davon ausgehen, dass Maria keine einfache Zeit der Schwangerschaft gehabt hat.
Denn zuerst wird sie von Josef mit dem Verdacht einer unehelichen Schwangerschaft konfrontiert. Er will sie zwar vor öffentlicher Demütigung schützen, indem er darüber Stillschweigen bewahrt. Und dennoch will er sich von ihr trennen.
Aber er hätte sie nach geltendem Recht auch öffentlich der Unzucht bezichtigen können, wodurch sie vermutlich die Todesstrafe zu erwarten gehabt hätte, denn eine Verlobung war so bindend wie eine Heirat. Und heiraten durfte er sie als gläubiger Mann auch nicht mehr, da er sich sonst selber des Ehebruchs schuldig gemacht hätte. So blieb ihm nur die Scheidung.
Er wollte diesen Weg gehen, um trotz der Umstände möglichst fair und fürsorglich mit Maria umzugehen.
Ein Traum jedoch eröffnet Josef eine ganz andere Sichtweise und lässt ihn sehen, welche Dimension mit Jesus in die Welt kommt und wie sehr hier der Geist Gottes mitwirkt. So nimmt er Maria schliesslich zu sich.
Doch, wenn wir uns vorzustellen versuchen, was dies für Maria bedeutet hat, können wir erahnen, dass es eine schwere Zeit für sie gewesen sein muss. Auch die Reise nach Bethlehem als hochschwangere Frau und die Suche nach einer Unterkunft war sicherlich sehr beschwerlich.

Und dennoch hat Maria auch eine grosse Zuversicht ausgestrahlt, ist sie sozusagen immer wieder guter Hoffnung gewesen, wie wir auch am 2. Adventswochenende in ihren Worten, im Magnifikat vernehmen konnten:
„Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.“

Diese Worte tönen bescheiden und selbstbewusst zugleich.

Liebe Mitfeiernde

Das Bild von Piero della Francesca der Madonna del Parto, das ich ihnen mitgebracht habe, ist eine der wenigen Darstellungen der schwangern Maria. Hier hat Maria für mich eine ganz ähnliche Ausstrahlung wie die Worte aus dem Magnifikat.

In voller Grösse steht Maria da und scheint sich ihrer Aufgabe, die ihr zukommt, bewusst und trotzdem ist sie nicht prunkvoll gekleidet oder als Königin dargestellt wie auf vielen anderen bekannten Bildern, sondern einfach, als Frau des Volkes.
Die linke Hand stützt sie in der Hüfte auf und mit der rechten berührt sie sanft ihren Bauch und spürt damit wohl auch die Bewegungen des neuen Lebens, das in ihr heranwächst, und hält auch so eine Verbindung zu Jesu, der in ihr wächst.

Sie wird von zwei Engeln flankiert, die sich in ihrer Gestalt, Haltung und Kleidung exakt gleichen, abgesehen davon, dass sie spiegelverkehrt dargestellt sind und sich in den Farben unterscheiden. Dem grünen Gewand des einen Engels entspricht das rote Gewand seines Gegenübers, der wiederum im Gegensatz zum anderen grüne Flügel und Strümpfe trägt, die den roten seines Gegenübers entsprechen. Sie halten mit gestreckten Armen einen bestickten Vorhang eines Baldachins auf, der mit Pelzen gefüttert ist und auf dem Granatapfelmotive zu finden sind. So öffnen sie dem Betrachter den Blick auf die schwangere Madonna. In der christlichen Ikonographie ist der Granatapfel ein Ewigkeits- und ein Christussymbol. Und damit wird natürlich wiederum auf das noch ungeborene Kind, Jesus, hingewiesen und seine Bedeutung.
Die Madonna trägt langärmliges blaues Kleid mit einem weiten Rock und aufgebauschten Oberärmeln. Das Kleid ist vorne teilweise zugeknöpft, in der Bauchregion jedoch sind die Knöpfe offen und lassen mit dem weissen Untergewand etwas von dem Lichtvollen von Jesus erahnen. Maria trägt eine kunstvolle, eng am Kopf anliegende mit weißen Bändern durchschlungene und gehaltene Flechtfrisur. Über ihrem Kopf ist ein Heiligenschein sichtbar, der jedoch mit seinen Brauntönen sehr irdisch wirkt.
Das Himmlische und Irdische begegnen sich sozusagen in Maria und auch in Jesus.
Der Baldachin wiederum verweist uns ganz auf den Himmel. Denn oft wird er auch als Himmel bezeichnet. So können wir sagen, dass sich über Maria der Himmel auftut.
Und indem die Engel den Baldachin öffnen, lüften sie sozusagen einen Vorhang. Ja und tatsächlich geht mit Maria ein Vorhang auf und Maria selber öffnet im übertragenen Sinn mit ihrem geöffneten Kleid für Jesus den Weg in die Welt.
So tritt mit ihr zusammen auch Jesus auf und da im Leben von Jesus uns schliesslich auch Gottes Liebe näher gebracht wird, können wir im übertragenen Sinne auch sagen, dass hier auch ein Stück weit, Gott selber sich zeigt.
Denn Gott ist da bei und in Maria und ihrem ungeborenen Kind.
Mit Weihnachten, mit der Geburt wird sich schliesslich der Vorhang vollends öffnen und Jesus betritt die Bühne der Welt und damit nimmt auch Gott eine wesentliche Rolle ein in seinem und unserem Leben.
Aber mit Jesus will Gott nicht eine Theaterbühne betreten und irgendein Theater aufführen. Nein, es geht ums Leben und nicht ein Spiel Gottes mit uns Menschen. Vielmehr zeigt uns Gott mit Jesus einen Weg auf, wie Leben möglich ist für alle. Er will nicht, dass Privilegierte mit Mittellosen ihr Spiel treiben, dass Menschen die Rolle von Herren und Knechte, von Sklaventreibern und Sklaven, von Armen und Reichen einnehmen und sich gegenseitig ausspielen, sondern er will, dass wir Verantwortung übernehmen füreinander und uns bewusst sind, dass das Leben einmalig ist.

Indem Maria mit Jesus schwanger ist und ihn zur Welt bringen wird, macht sie für diese Vision eines Lebens in Fülle für alle den Vorhang auf. Sie öffnet so auch den Vorhang, damit Menschen wieder frei atmen können, damit Frieden Halt gibt und kein leeres Wort bleibt, und damit Menschen Heil und Kraft erfahren dürfen und so zu sich selbst, zueinander und zu Gott finden können.
Darauf warten wir mit dem Warten auf die Geburt Jesu, die Geburt Gottes in unserer Welt. Und so gehen wir mit diesem Warten mit Maria schwanger und sind in Erwartung einer Welt, in der nicht etwas aufgeführt wird, sondern in der wir selber Teil sind der Handlung und mitwirken können, damit die Vision einer besseren Welt konkret wird.
Und auch wenn das Leben kein Theater ist und auch kein Spiel, möge uns dennoch auch eine spielerische Leichtigkeit begleiten, indem es uns auch gelingt, uns von dem zu lösen, was uns blockiert und gefangen nimmt, und indem uns auch wohltuender Humor zueinander Türen öffnet.
In dem Sinne wünsche ich uns, dass wir mit dieser Vision einer Welt, in der Frieden, Gerechtigkeit, Heil und Lebendigkeit eine wichtige Rolle spielen, schwanger gehen können und wir uns bereit machen, damit Gottes Licht in unsere Welt kommen kann.

Lassen wir es so nun bald Weihnachten werden, damit Weihnachten nicht eine idyllische Geschichte bleibt, die nichts mit uns zu tun hat, sondern indem wir selber Akteur werden dieser Geschichte mit Gott und durch uns diese Welt, die sich durch Maria und mit Jesus eröffnet hat, immer mehr Wirklichkeit wird.
Amen.

„Schwanger“ – Predigt zum 2.Advent

Liebe Mitfeiernde

Die Schwangerschaft im Advent ins Zentrum zu stellen, löst wahrscheinlich bei der einen oder beim anderen leichtes Kopfschütteln aus.

Doch wenn wir den heutigen Text aus dem Lukasevangelium anschauen mit der wunderbaren Begegnung zwischen der schwangeren Elisabeth und der schwangeren Maria drängt es sich fast auf, mal der Schwangerschaft im Advent Raum zu geben.

Denn ohne Schwangerschaft keine Geburt und auch keine Geburt von Jesus!

Und viele der Gefühle und Gedanken von heutigen schwangeren Frauen hat bestimmt auch Maria mit sich getragen.

Da ist oft Vorfreude da und Hoffnung. Und natürlich gehören auch Ängste dazu und Ungewissheit, die eine schwangere Frau, aber auch einen werdenden Vater beschäftigen können. Und auch verschiedene Beschwerden können mit einer Schwangerschaft einher gehen. Und dennoch denke ich, dass meist die Freude am im Bauch spürbaren, neuen Geschöpf, das wächst und bald voll und ganz Teil ist der neuen Familie, überwiegt.

Auch in der Begegnung zwischen Maria und Elisabeth steht die Freude im Vordergrund. Und die grösste Freude geht sogar vom noch ungeborenen Johannes aus, der im Mutterleib hüpft.

Es ist ein sehr berührender Moment, genauso wie ich selber auch jede Schwangerschaft berührend finde.

Ich bin im Vorfeld zum heutigen Gottesdienst auf die Suche gegangen nach einer Statue einer schwangeren Maria. Leider bin ich nicht fündig geworden, da es nur sehr wenige solche Darstellungen gibt und diese schwer erhältlich sind. Dafür hab ich jedoch eine schöne Darstellung einer schwangeren Frau gefunden.

Ich hab mich natürlich dabei gefragt, was wohl der Grund dafür sein könnte, dass es nur wenige Bilder oder Statuen einer schwangeren Maria gibt. Ehrlich gesagt denke ich, dass vielleicht mitspielen könnte, dass nach wie vor im christlichen und kirchlichen Kontext eine gewisse Distanz und Abneigung besteht gegenüber allem Körperlichen und Sinnlichen.

Obwohl ich persönlich finde, dass jede schwangere Frau auf eine Art etwas Heiliges ausstrahlt.

So hab ich selber die Zeit, in der meine Frau schwanger war, als äusserst faszinierend, sehr sinnlich und sehr berührend empfunden. Es hat in mir eine grosse Ehrfurcht und ein grosses Staunen und eine grosse Freude ausgelöst, obwohl ich natürlich auch mit den Strapatzen und Leiden meiner Frau mitgefühlt habe.

So gehören da ganz unterschiedliche Gefühle in diese Zeit der Schwangerschaft und man ist sich schon am Vorbereiten auf die Zeit nach der Geburt. Oft wird schon das Kinderzimmer eingerichtet, der Kinderwagen bereit gestellt (wie hier vorne) und auch Kleider, Nuschis und Nuggis usw. werden schon besorgt. 

Die werdenden Eltern sind in dieser Zeit wahrlich in Erwartung und es wird natürlich für das Kind und die Familie das Beste erhofft. Man erhofft sich, dass alles gut geht, sowohl die Geburt wie auch die weitere Entwicklung des Kindes und dass man die Aufgabe, Eltern zu sein, gut meistern kann.

Als Eltern wünscht man sich in religiösen Worten gesprochen, dass das Kind und die Familie und das Leben aller Beteiligten gesegnet ist.

Damit wird eigentlich das gewünscht, was Elisabeth Maria zuspricht, indem sie ihr sagt: «Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.»

In anderen Übersetzungen heisst es noch «du bist gebenedeit», was ebenso segnen bedeutet und vom lateinischen Wort «benedicere» kommt. «Benedicere» zeigt uns auf, was mit Segnen gemeint ist, da es wörtlich bedeutet: «gutes zusprechen».

Mit dem Segnen wünscht man der gesegneten Person alles Gute und, dass ihr Leben gelingt, und im Fall von Schwangeren auch, dass das Leben auch des ungeborenen Kindes unter einem guten Stern stehen darf.

Aber wie wir bei Maria und Elisabeth sehen, meint da der Segen auch, dass das Gute, das bereits da ist, ausgesprochen wird und zum Ausdruck kommen soll. Denn Elisabeth spricht von der Besonderheit von Maria und Jesus und spricht damit an, was an Lichtvollem durch sie in die Welt kommt.

So wie Maria und Jesus in ihr auf Elisabeth und Johannes eine gute Ausstrahlung hatten, ist m.E. bei den meisten schwangeren Frauen eine besondere Ausstrahlung spürbar und ebenso das Gute, das Leben, die Lebendigkeit, die bereits da sind.
 

Liebe Mitfeiernde

Gerne möchte ich den Bezug auch zu uns selber herstellen, denn ich finde, dass wir alle wie werdende Eltern uns für uns selber, unsere Familien und unsere Freunde wünschen, dass es uns gut geht, dass unser Leben gelingt. Genauso wie auch bei uns schon viel Gutes, viel an Lichtvollem und Lebendigkeit vorhanden ist und es oft nur darum geht, es sichtbar werden zu lassen, so wie bei der Geburt das Kind sichtbar wird.

Und dies kommt ja auch wunderbar im Psalm 139 zum Ausdruck, in dem es heisst: «Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.»

Wir dürfen dankbar sein, auch für das Wunder, das wir sind! Wir dürfen uns so auch freuen an dem Guten und dem Licht, das wir selber ins Leben, auf die Welt bringen. Und wenn wir dieses Vertrauen aus dem Psalm 139 innehaben, dann wird unser Licht, das wir sind und haben, noch viel heller leuchten.

Und am Schönsten wäre es natürlich, wenn wir den Segen, der wir somit sind, auch weitergeben können.

Wenn wir wie Maria unsere Hoffnung nicht nur auf uns und unser Umfeld setzen, sondern wenn wir daran mitarbeiten, dass es Hoffnung gibt für die ganze Welt so wie wir dies im Magnifikat gehört haben.

Und so wünsche ich allen werdenden Müttern und Vätern, allen ungeborenen Kinder, aber auch an uns allen, dass wir uns immer wieder als geliebt und gewollt fühlen dürfen und dass wir wagen zu hoffen, dass immer mehr Frieden und Liebe auf und zur Welt kommen.

Amen.

„HüterIn-Sein‘: Predigt zur Geschichte von Kain und Abel mit Bezug zur Konzernverantwortungsinitiative

Zugrundeliegende Bibeltexte:

Gen 4,1-9 und Mt 25,31-40

Liebe Mitfeiernde

Der gehörte Text der heutigen Lesung von Kain und Abel ist eine Geschichte der Bibel, die ganz und gar nicht ein Beispiel einer heilen Welt aufzeigt.
Doch wie so viele biblische Erzählungen wird hier ein menschliches Problem dargestellt, resp. ein Einblick gegeben in die menschlichen Abgründe.
Kain und Abel wollen sich übertreffen in dem, was sie Gott darbieten können, in ihrem Opfer an Gott. Doch weil Gott nur auf das Opfer von Abel blickt, fühlt sich Kain nicht wahrgenommen und in ihm kommt Eifersucht hoch, die bis zum Mord führt.
In der Folge davon wird Kain von Gott gefragt, wo sein Bruder ist und ganz scheinheilig antwortet Kain: «Bin ich denn der Hüter meines Bruders?»
Er entzieht sich damit jeglicher Verantwortung und tut so, als ob er mit dem Verschwinden, ja mit dem Mord von Abel rein gar nichts zu tun hat.

Ja, sind wir Hüter unserer Schwestern und Brüder? Sind wir Hüter der Schöpfung, die uns anvertraut ist?
Ich denke, die Antwort liegt auf der Hand: Es ist zumindest m.E. klar unsere Aufgabe, füreinander Hüter zu sein, aufeinander Sorge zu geben, genauso wie dabei auch die uns anvertraute Schöpfung unserer Achtsamkeit bedarf.

Kain selber fühlt sich wahrscheinlich von Gott zum Spielball gemacht, weil er und sein Opfer nicht beachtet werden. Und tatsächlich kann man hier in dieser Geschichte nicht erklären, wieso Gott so handelt.
Und doch muss Kain für sein Handeln in der Folge davon, die vor einem Mord nicht Halt macht, Verantwortung übernehmen. Bruder- und Schwester-Sein sollte gerade nicht heissen, dass man einander fertig macht, sondern vielmehr dass einem am Geschwistern etwas liegt.
Und so sollte auch unser Mensch-Sein bedeuten, dass wir weder einander noch die Natur ausbeuten oder schädigen. Denn wir sind durch unseren Schöpfer, unsere Schöpferin alle in einer Art Geschwisterschaft, die alles Leben umfasst, miteinander verbunden. Und wir sind, um leben zu können, darauf angewiesen, dass wir in einer Balance leben und dem Leben dienen.

Auch der Text aus dem Matthäusevangelium weist uns darauf hin, wie wichtig es ist, dass wir zueinander Sorge tragen und uns umeinander kümmern. Es ist die starke Kraft der Nächstenliebe, die hier in den Worten von Jesus zum Ausdruck kommt. Und Liebe ist immer grenzen- und bedingungslos und so umfasst sie auch die ganze Schöpfung.

Wir sind aufgefordert, nicht wie Kain, nur den eigenen Vorteil vor Augen zu haben und uns von unserem Neid und dem Gedanken, mehr sein und mehr haben zu wollen, lenken zu lassen, und damit über Leichen zu gehen, sondern wir sollen als erwachsene Menschen leben, die aufrecht voreinander und vor Gott stehen und einstehen für unser Tun und Lassen und sich der eigenen Verantwortung bewusst sind.

Diese Verantwortung stellt auch die Konzernverantwortungsinitiative in den Mittelpunkt. So soll nicht die Ausrede gelten, dass man nicht der Hüter ist für seine Mitmenschen und die Umwelt, sondern es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass man für verursachten Schaden aufkommt und dass darauf geachtet wird, dass gar nicht erst Schaden entsteht.

Liebe Mitfeiernde
Ich selber würde behaupten, dass, wenn man die ganze Schöpfung als von Gottes Geist durchflutet anschaut, man gar nicht anders kann, als sich verantwortlich zu fühlen für das Wohlergehen für jedes Geschöpf und die ganze Natur in Bezug auf den Einfluss, den das eigene Handeln darauf hat. Und so macht es einen dann auch betroffen, wenn etwas zerstört wird.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass auch die Schweizer Bischöfe diese Initiative unterstützen und auch dem Papst selber ist die Sorge zur Umwelt ein grosses Anliegen, das er besonders in der Enzyklika «Laudato Si» entfaltet hat.

«Heb Sorg» haben wir letztes Jahr im Herbst als zentrales Motto in den Schöpfungswochen in die Mitte gestellt. Und «Heb Sorg» ist m.E. auch das Grundanliegen, das hinter der Konzernverantwortungsinitiative steht und das auch in den heutigen Bibeltexten eine Hauptbotschaft darstellt.

Und auch wenn die Konzernverantwortungsinitiative nicht weiter verfolgt werden sollte, weil ein Gegenvorschlag zum Zug kommt, ist doch das Verantwortung-Übernehmen und Sorge-Tragen-Zueinander ein Thema, das immer wieder in politischen und sozialen Fragen ein entscheidender Punkt ist. Und so stellt sich auch immer wieder die Frage, wieviel Leid, Schaden und Zerstörung darf man in Kauf nehmen, um den Gewinn zu optimieren oder Arbeitsplätze zu schaffen usw. Gerade das Arbeitsplatz-Argument wird ja sehr gerne als Totschlag-Argument genutzt, um jegliche Kritik auszuschliessen.
Genauso oft wie auch Theologen kritisiert werden, die politisch Stellung beziehen, und ihnen zu Verstehen gegeben wird, dass sie sich aus der Politik fern zu halten haben.
Doch halte ich dem entgegen, dass gerade Jesus Auftreten auch sehr politisch war. Er hat oft klar Stellung bezogen und sich besonders auf sozialer Ebene stark engagiert.
Und für mich gibt es Anliegen, die zutiefst christlich sind, und dazu gehören eindeutig die Sorge zur Natur und auch die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit bzgl. Umgang mit eigenen Fehlern, mit selber verursachten Schäden und das dafür einstehen und gerade Stehen. Und somit das Übernehmen der Verantwortung.

Liebe Mitfeiernde

Dieses Thema der Verantwortung, der Konzernverantwortung, ist natürlich auch ein Thema, das jeden einzelnen von uns betrifft.
Und so ist es auch meine eigene tägliche Herausforderung, dass ich dazu stehe, wenn ich selber etwas verursacht habe, was Schaden angerichtet hat, und auch versuche, dies so gut es geht, wieder gut zu machen. Und genauso ist es mir ein Anliegen, Sorge zu tragen zu meinen Mitmenschen, aber auch zur Natur, die unser Leben überhaupt erst möglich macht.

Und so sind wir doch auch jeden Tag neu herausgefordert, auf die Frage «Bin ich der Hüter meines Bruders» mit Ja zu antworten.
Amen.

„Ausgleichende Gerechtigkeit?“: Predigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr C

Liebe Mitchristen
«Es war einmal ein reicher Mann …»: Damit beginnt Jesus im Lukasevangelium seine Erzählung und schildert sie damit wie ein Märchen. Ja, auch bei den drei Wünschen, die Abraham dem reichen Mann gewähren soll, tönt diese Geschichte sehr märchenhaft. Nur werden diese Wünsche hier nicht erfüllt, sondern verweigert.
Und tatsächlich geht man davon aus, dass hinter dieser Geschichte ein altägyptisches Märchen steckt, resp. dass Jesus seine Erzählung zumindest daran anlehnt oder sie im Hinterkopf gehabt hat.
Es gibt verschiedene ägyptische Märchen, die das Totenreich betreffen. Eines davon erzählt wie ein Gott, der Kind irdischer Eltern wird, seinen Eltern den Hades und das Paradies zeigt. Und darin wird aufgezeigt, dass wer auf Erden böse ist, auch im Totenreich Böses erfährt, und wer auf Erden gut ist, auch im Totenreich Gutes erfahren darf.
Also ganz ähnlich wie die Geschichte mit dem reichen Mann und Lazarus darlegt.
Wenn wir dies so betrachten, können wir m.E. durchaus behaupten, dass damit eine Jenseitsvorstellung geschildert wird, die eine Art «ausgleichende Gerechtigkeit» an den Tag bringt.
Ja, ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass dieser Ausgleich eigentlich bei praktisch allen Jenseitsvorstellungen vorhanden ist, resp. bei allen Vorstellungen, die das Leben nach dem Tod betreffen.
So ist dies nicht nur in ägyptischen Erzählungen der Fall, sondern auch in griechischen Mythen. Denken wir z.B. an den Mythos von Sisyphos, der mehrfach Götter und Menschen überlistet und dem Tod entrinnt, danach aber bestraft wird, indem er in der Unterwelt immer wieder einen schweren Stein den Berg hoch rollen muss, der jedoch jedes Mal wieder hinunterrollt, was die Grundlage geworden dafür geworden ist, dass wir nie abgeschlossene, ergebnislose Arbeit als Sisyphusarbeit bezeichnen.
Auch in der späteren christlichen Vorstellung von Himmel und Hölle kommt ganz klar der Gedanke einer ausgleichenden Gerechtigkeit zum Ausdruck, wo der gute Mensch in den Himmel kommt und damit belohnt wird und der schlechte Mensch in die Hölle, wobei da dann wieder die Frage nach unserem Gottesbild ins Spiel kommen würde: Was wäre das für ein Gott, der jemanden in die Hölle verbannen würde?
Auch in der Vorstellung eines Karma in hinduistischen und buddhistischen Glaubensströmungen, in dem unser Handeln stets einem Ursache-Wirkungs-Prinzip unterworfen ist und so mein Verhalten im Hier und Jetzt Auswirkungen hat auf meine weiteren Leben, die folgen werden, trägt für mich diesen Wunsch nach einem Ausgleich und nach einer Art Gerechtigkeit in sich.
Wenn wir diese verschiedenen Vorstellungen betrachten, was nach dem Tod des Menschen geschieht, denke ich, dass es eine grosse Hoffnung von uns Menschen ist, dass das Leben wenn nicht heute, dann doch irgendwann aufgeht, dass alles irgendwann Sinn macht und sowohl Leid wie auch Armut und Unrecht irgendwann ein Ende haben und wieder gut gemacht werden und dass es sowas wie Gerechtigkeit gibt.
So werden m.E. diese Gedanken und diese Hoffnung auch in der Erzählung vom armen Lazarus und dem reichen Mann zum Ausdruck gebracht.
Der Reiche kostet im Leben voll seinen Reichtum aus. Er kleidet sich in Purpur und feine Leinen und feiert täglich glanzvolle Feste.
Als Gegensatz dazu liegt vor der Tür des Reichen der arme Lazarus mit Geschwüren, die ihn plagen und die die Hunde lecken. Er geht leer aus und erhält nicht einmal die Reste, die vom Tisch des Reichen hinunterfallen.
Mit dem Tod jedoch ändert sich dann alles: Lazarus wird von den Engeln in Abrahams Schoss getragen. Und der Reiche wird einfach begraben und gelangt ins Totenreich.
Nun erleidet der Reiche Schmerzen und möchte Linderung seiner Not. Und er äussert in der Folge davon seine drei Wünsche, die er sich herausnimmt.
Und so möchte er sogar, dass Lazarus seine Wunden pflegt.
Doch Abraham legt ihm dar, dass er bereits viele Wohltaten erhalten hat und dass der Abgrund zwischen ihm und Lazarus unüberwindbar und tief ist.
Auch ein Warnen der noch-lebenden Brüder ist nicht möglich. Ebenso wenig dass ein Toter sie bekehrt.
Die Botschaft scheint damit zu sein, dass mit dem Tod nichts mehr möglich ist. Aufs Leben kommt es an. Auf den jetzigen Moment.
Dort, wo der Tod vorherrscht, da lassen sich keine Gräben mehr überwinden, da ist alles erstarrt und nichts mehr lässt sich verändern und bewegen.
Doch jetzt, in dem Moment, wo wir leben, da ist noch vieles möglich, da lassen sich die Abgründe zwischen arm und reich, zwischen gesund und krank, zwischen wohlbehalten und not-leidend noch überwinden.
Und das ist es, was m.E. zählt: der Moment, in dem wir sind und leben!
Und so will uns die heutige Erzählung aus dem Lukasevangelium aufs Heute verweisen und ermutigen, die verschiedenen Lazarusse in unserem Leben wahrzunehmen und uns ihnen zuzuwenden, seien es arme und bedürftige, seien es kranke oder unter Gewalt leidende Menschen oder sei es auch unsere Natur, die leidet.
Alle brauchen unsere Zuwendung und unsere Aufmerksamkeit.
Beide Bibeltexte wollen unseren Blick und auch unser Herz dafür frei machen. Sie wollen uns berühren, uns ansprechen und uns auffordern, dort zu handeln, wo wir Not lindern können.
Die märchenhafte Geschichte rund um Lazarus zeigt uns zwar eine Welt im Jenseits auf, doch will sie m.E. eben gerade nicht aufs Jenseits vertrösten und uns der Verantwortung entziehen, in dem wir denken können, im Jenseits wird’s dann schon gut.
Im Gegenteil: Diese Erzählung weist uns in die Gegenwart und will, dass wir hier und heute Gräben überwinden, Brücken zueinander bauen und miteinander teilen.
Gerne möchte ich meine Gedanken abschliessen mit einem russischen Märchen, das für sich spricht und ebenso unser Handeln in unserem Leben verändern will:
„Ein Rabbi kommt zu Gott: „Herr, ich möchte die Hölle sehen und auch den Himmel.“ – „Nimm Elia als Führer“, spricht der Schöpfer, „er wird dir beides zeigen.“ Der Prophet nimmt den Rabbi bei der Hand.
Er führt ihn in einen großen Raum. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf Aber die Menschen sehen mager aus, blass, elend. Kein Wunder: Ihre Löffel sind zu lang. Sie können sie nicht zum Munde führen.Das herrliche Essen ist nicht zu genießen.
Die beiden gehen hinaus: „Welch seltsamer Raum war das?“ fragt der Rabbi den Propheten. „Die Hölle“, lautet die Antwort.
Sie betreten einen zweiten Raum. Alles genau wie im ersten. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf.
Aber – ein Unterschied zu dem ersten Raum: Diese Menschen sehen gesund aus, gut genährt, glücklich. „Wie kommt das?“ Der Rabbi schaut genau hin. Da sieht er den Grund: Diese Menschen schieben sich die Löffel gegenseitigin den Mund. Sie geben einander zu essen.
Da weiß der Rabbi, wo er ist.“

Bescheidenheit oder Erniedrigung, Demut oder Demütigung? Predigt zum 22. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr C

Liebe Mitfeiernde
Wie ist es nun mit der Bescheidenheit? Ist sie eine Zier, eine Kunst, eine Tugend? Und lebt man besser ohne sie? Wann ist sie hilfreich und wann wird sie ungesund?
Für mich ist Bescheidenheit und auch Demut ganz klar eine Tugend. Doch nicht auf die Art, wie sie besonders oft in religiösem Kontext und auch in unserer Kirche oft gelebt worden ist und manchmal noch immer gelebt wird.
Bescheidenheit ist für mich eine Tugend im Sinne von Jesu Worten, dass man sich nicht den Ehrenplatz aussuchen soll und sich nicht in den Mittelpunkt drängen soll. Ebenso sehe ich auch eine Tugend darin, dass man sich selber nicht erhöht und aufbläht und nicht angibt und «plagiert».
Doch für mich hört Bescheidenheit auf, eine Tugend zu sein, wenn sie bedeutet, sich selber zu erniedrigen und klein zu machen. Auch damit, sich selber zu demütigen, habe ich Mühe.
Denn Bescheidenheit und Demut entspricht für mich, wenn sie gesund bleiben soll, weder einem Sich-Erniedrigen noch einem Sich-Demütigen. Man demütigt ja schliesslich auch nicht andere Menschen!
Doch leider bekomme ich immer wieder den Eindruck, dass in unserer Kirche nach wie vor die Tendenz besteht, dass Bescheidenheit oft im Sinne von Erniedrigung und Selbstdemütigung verstanden und gelebt wird, was ich sehr bedaure.
Ja, ich denke sogar, dass darin ein Grundproblem unserer Kirche besteht, dass nämlich das Klein-Sein und Sich-Klein-Machen oft überwiegt und zu stark die Sündhaftigkeit, die Schlechtigkeit und das Nie-Genügen-Können des Menschen hervorgehoben wird.
Stellen sie sich vor, wie sehr die Kirche hier aufbauend, bestärkend und lebensbejahend wirken könnte, wenn sie mehr auf das Gute im Menschen blicken würde, den göttlichen Kern, der in jeder Person liegt?
Mit dem Überbetonen der Sündhaftigkeit und dem Klein-Sein des Menschen jedoch wird viel Gutes erstickt und viel wirklich Grosses verhindert.
Wäre es nicht schöner, wenn wieder mehr die Schöpfung in Erinnerung gerufen würde, zu der der Mensch gehört und von der Gott gesagt hat, sie sei sehr gut, und zu der auch die schöpferischen, kreativen Kräfte des Menschen gehören?
Und wäre es nicht wünschenswert, wenn wir wegkommen könnten von diesem fragwürdigen Gottesbild, das m.E. dahintersteckt, das einen Gott darstellt, der strafend und rachsüchtig ist und der nur mit einem Opfer besänftigt werden kann und der dieses Opfer, das Jesus ist, benötigt hat, damit er uns unsere Sünden nicht nachträgt?
Wäre es nicht an der Zeit, uns von diesem erstickenden und bedrückenden Gottes- und Menschenbild zu verabschieden und dass wir den Fokus auch in liturgischen, kirchenrechtlichen und lehramtlichen Texten weniger auf die Schlechtigkeit und die Abgründe des Menschen richten, sondern das Gute im Menschen versuchen anklingen zu lassen und an einen Gott glauben und auf einen Gott vertrauen, der keine Opfer benötigt, um besänftigt und uns wohlgesinnt zu werden, sondern der uns wahrhaftig liebt?
Liebe Mitfeiernde
Ich finde es sehr schade, dass nach wie vor in vielen liturgischen Texten «Opfer», «Sühne», «Sünde» und das Ungenügen des Menschen so überbetont wird.
Ich habe persönlich auch Mühe damit, dass dieses Nicht-Genügen-Können oft auch vor dem Kommunionempfang hervorgehoben wird, mit den Worten: «Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach.»
Dies ist ein Satz, der völlig aus dem Zusammenhang herausgerissen worden ist und nun häufig vor dem Kommunionempfang die Niedrigkeit des Menschen aufzeigen soll und die fehlende Würde, die der Begegnung mit Gott vorausgeht. Gesagt wurde er eigentlich von einem heidnischen Hauptmann, einem Mann des Militärs, dem die Sprache von Befehl und Gehorsam, von Unterwerfen vertraut war. Doch wir heute leben in einer anderen Welt und ich würde mir ein mehr partnerschaftliches Verhältnis auch zu Gott wünschen. Andererseits wollte der Kaufmann mit der Betonung des Nicht-Wert-Seins wohl auch hervorheben, dass er Heide ist und Jesus Jude und er damit ein Aussenstehender ist und als unrein angesehen wird.
Seit etwa 1300 Jahren wird mit diesem Satz in fast jedem Gottesdienst unser Ungenügen, unser Nicht-Genügend-Wert-Sein und unser «Unrein-Sein» betont.
Doch man könnte genauso gut einen aufbauenden, bestärkenden Satz wählen, der belebend wirkt und erfrischt und der das Gute in uns anklingen lässt.
Denn Gott hat keine unwürdigen Wesen erschaffen, sondern Abbilder seiner selbst.
Ich muss ehrlich eingestehen: Ich lasse jeweils das «Nicht» im Satz «Herr, ich bin nicht würdig» weg, da es für mich einfach nicht stimmt und ich eine andere Grundhaltung und Glaubenssicht in mir trage.
Denn ich glaube daran, dass Gott uns als aufrechte Wesen erschaffen hat, mit aufrechtem Gang, die auch mit erhobenem Haupt vor Gott stehen dürfen, und sich nicht niederwerfen müssen vor einem angeblich blutrünstigen, rachsüchtigen, strafenden Gott, der in Jesus Christus ein Opfer benötigt hat, um besänftigt zu werden!
Zumindest der Gott, an den ich glaube, braucht keine Opfer und hat auch nie Opfer oder Sühne gebraucht. Und aus meiner Sicht hat dies auch Jesus mehr als deutlich gemacht mit all seinen Taten und Worten.
So sehe ich in Gott ähnlich wie Jesus einen liebenden Vater oder auch eine liebende Mutter.
Zudem bin ich fest davon überzeugt, dass Gott will, dass wir auf Augenhöhe vor ihm stehen.
Natürlich haben wir Fehler und Grenzen und sicherlich auch einige Abgründe und dennoch denke ich nicht, dass Gott will, dass wir uns klein machen und erniedrigen. Sondern ich glaube daran, dass er will, dass wir uns in unserer ganzen Grösse zeigen und dazu stehen.

Darum wünsche ich mir sehr, dass wir es in unserer Kirche und in unserem je eigenen Glauben schaffen, uns Menschen zu befreien hin zu dieser liebevollen Beziehung mit Gott und auch mit uns selber, und so einen Schritt weiterkommen zu einem Gottes- und Menschenbild, das ermutigt, das aufbaut und stärkt und nicht klein macht und demütigt aufgrund einer übermächtigen Last von Fehlern und Unzulänglichkeiten.
Wahre Bescheidenheit heisst so für mich: Dass ein gesunder Mensch sich weder zu erhöhen noch zu erniedrigen braucht, weil er von Gott geliebt ist, so wie er ist. Er braucht sich nicht zu beweisen oder aufzublähen, da dies bedeuten würde, dass er mit sich selber nicht zufrieden ist und sich selber zu wenig wertschätzt.
Ebenso wenig soll der Mensch sich erniedrigen und sich kleiner machen als er ist, denn auch dies wäre mangelnde Liebe zu sich selber und es wäre eine Demütigung nicht nur von sich selber, sondern auch von Gott, der uns mit all unseren Fähigkeiten erschaffen hat.
Liebe Töchter und Söhne Gottes
Ich wünsche mir deshalb einen Glauben, der den Menschen als aufrechtstehendes, erwachsenes Wesen auf Augenhöhe vor und mit Gott sieht und auf einen Gott baut, der das Gute in uns sieht und stärken will, der wie wir zwar um das Schlechte weiss, aber nicht will, dass wir uns deswegen erniedrigen oder entwürdigen, da sein liebender Blick uns nicht mit verurteilenden Augen ansieht.

Im Gegenteil, die Abgründe und das Zerstörerische in uns lassen sich nicht überwinden durch Selbsterniedrigung, ja sie werden sich noch vielmehr verstärken. Denn was unterdrückt wird und erniedrigt, erhöht sich dann von ganz alleine, und zwar mit umso stärkerer Kraft.
So ist nicht die Erniedrigung der Weg, sondern einzig und allein die Liebe und das nachsichtige Annehmen von dem, was ist, und das stetige Daran-Arbeiten und Sich-Weiterentwickeln.
Und so bedeutet für mich wahre Bescheidenheit: Ich erhöhe mich nicht und erniedrige mich auch nicht, sondern ich weiss um meine Grenzen und Schatten, genauso wie ich auch um das Lichtvolle und Gute weiss.
Vor allem aber versuche ich mit diesem Wissen, einen Weg zu finden, wo wir auf Augenhöhe miteinander unterwegs sind, wo niemand klein gemacht und keiner überhöht wird, sondern sich alle als gleichwertige Töchter und Söhne Gottes sehen und fühlen dürfen.
Und so brauchen wir uns nicht mehr die Frage zu stellen, die uns bedrückt und erstickt, ob wir genügen und ob wir genug würdig sind, sondern wir dürfen wissen und spüren: ich bin trotz allem Dunklen immer noch wertvoll und werde von Gott geliebt. Amen.

„Gott, eine tröstende, beruhigende Mutter»: Predigt zu Jesaja 66,10ff., 14. So JK C

«Wie eine Mutter tröstet, so will ich euch trösten.»

Liebe Frauen, Liebe Männer, Liebe Kinder,

Der Text aus dem Jesajabuch, den wir heute als Lesung gehört haben, trägt wunderschöne Bilder in sich.
Jerusalem wird als stillende Mutter beschrieben, an deren Brust man zur Ruhe kommen kann.
Und auch Gott wird als tröstende Mutter dargestellt und als Quelle, von der Ströme des Friedens ausgehen, von denen man trinken und sich erfrischen kann.
Wie ein Kind, das sich durchs Stillen, durch die Muttermilch an der Brust der Mutter beruhigt, mit Weinen aufhört und bei der Mutter Frieden und Trost, Wärme und Nahrung erhält, wird hier Jerusalem und vor allem auch Gott als nährende, tröstende und friedensspendende Mutter dargestellt.

In Jerusalem nach dem Exil, in der dieser Text entstanden ist, sind diese Worte wie eine Oase gewesen, wie ein Traum, nach dem sich wohl viele gesehnt haben, denn Jerusalem stand auch nach dem Exil immer wieder unter dem Einfluss fremder Mächte und Frieden war wohl damals wie heute genau genommen eher ein Fremdwort.

So sind für mich Jerusalem und Frieden leider eher wie zwei Gewinde, die nicht aufeinander passen.

Und dennoch war damals wie heute die Sehnsucht nach diesem Frieden wohl stets gross.

Traum und Wirklichkeit sind halt eben oft nicht übereinstimmend und manchmal klaffen sie wie im Falle von Jerusalem so auseinander, dass es schon fast lächerlich klingt.

Und dennoch sowohl das Bild von Gott als Mutter und das tiefe Gefühl von Frieden, Trost und Stärkung, aber auch das Bild von den Knochen, die sprossen wie frisches Grün, tragen viel Kraft in sich.

Dieses weibliche Bild von Gott finde ich persönlich sehr berührend und hilfreich, um Gottes Liebe und Es-Mit-Uns-Gut-Meinen zu spüren.

Doch wir alle wissen, dass es sowohl in der Bibel wie auch unter den Menschen ganz unterschiedliche Gottesbilder gibt und auch immer gegeben hat. Und wichtig ist dabei sich bewusst zu haben, es sind alles Bilder von Gott und nicht Gott selber. Und doch können wir nicht anders von Gott sprechen als durch Bilder.

Es ist jedoch für unser Handeln und unser Leben entscheidend, welche Gottesbilder wir in uns tragen, da sie auch unser Bild der Menschen beeinflussen.
Darum ist es m.E. wichtig, dass wir ein Gottesbild in uns tragen, dass wie bei Jesaja erwähnt, Frieden fördert, Trost spendet und Lebenskraft gibt.

Wir wissen nicht, wie Gott wirklich ist, doch wir können uns für ein belebendes, befreiendes, nährendes und friedensspendendes Gottesbild entscheiden und damit auch den Menschen Gutes tun und selber zum Lebensförderer, zur Friedensbotin, zum Befreier und zur Liebenden werden.

Und genauso hat es Jesus getan. Sein Gottesbild hat sein ganzes Leben geprägt und ihn selber zu einem Menschen gemacht, der Frieden verbreitet hat und der andere Menschen geheilt, belebt, bestärkt und getröstet hat.

Und er hat wiederum andere aufgefordert, es ihm gleich zu tun. Wie die 72, die er zu zweit geschickt hat, um in der Welt Frieden zu verbreiten und Kranke zu heilen.

Mit dem Frieden, dem Heil, das Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger so verbreiten, verbreitet sich auch das Reich Gottes. Und Gottes Reich ist m.E. letztlich nichts anderes als das, was Gott am Herzen liegt, und was die Welt im Sinne von Frieden und Leben bereichert.

Jesus wusste natürlich, dass wie im Bild vom Frieden, der von Jerusalem ausgeht, auch in der Welt Frieden nicht immer mit Frieden beantwortet wird, sondern dass oft auch Unfriede und Ablehnung zurückgegeben werden.

In diesem Fall werden die Jünger und Jüngerinnen Jesu aufgefordert, den Staub abzuschütteln, das Verstaubte, Abgestorbene, Tote abzustreifen und loszulassen, um sich wieder neu auf das Lebensbejahende und Lebensfördernde einlassen zu können.

Geht es nicht auch uns oft so, wenn wir Unfrieden erleben, Ablehnung oder uns sogar Hass entgegenschlägt, dass wir dann genauso den Staub, die toten Zellen, mit denen wir konfrontiert sind, abstreifen und abschütteln müssen, um uns wieder dem zuwenden zu können, was uns belebt, aufbaut, tröstet und nährt?!

Denn so können wir uns wieder auf die Suche machen nach dem, was nach Leben schmeckt, was grünt und blüht, und von den frischen Strömen des Friedens trinken und uns laben an der Milch des Trostes und der Kraft.

Liebe Mitfeiernde

ich möchte Sie einladen, dieses wunderschöne Bild der tröstenden und nährenden Mutter in sich selber aufzunehmen, um selber wie eine liebende und besänftigende Mutter Frieden und Leben zu verströmen.
Amen.

„Mut zum Anecken“: Predigt zum 20. Sonntag im Jahreskreis C

Liebe Mitfeiernde

Da werden uns heute mit den Lesungen zwei kantige und harte Brocken vor die Füsse geworfen!
Es sind Lesungen, die herausfordern, ja auch ein Stück weit provozieren, finde ich.
Im Buch Jeremia begegnen wir einem Propheten, der dem König Zidkija empfiehlt, sich den Babyloniern, die Jerusalem belagern, zu ergeben, um die Menschen zu schützen und Blutvergiessen zu verhindern.
Doch damit macht sich Jeremia unbeliebt. Dies passt Zidkija nicht. Er hofft, dass er von Ägypten Unterstützung erhält, was aber nicht eintrifft.
Jeremia jedoch wird ins Gefängnis geworfen und entkommt nur knapp dem Tod.
Jerusalem wird schliesslich eingenommen und die Bevölkerung nach Babylonien deportiert.
Wenn wir dieses Beispiel nehmen, können wir durchaus sagen: Propheten haben einen schweren Stand.

So ist es auch Jesus nicht anders ergangen. Er selber hat z.B. gesagt, dass ein Prophet in seiner Heimat nichts gilt und somit nicht auf offene Ohren stösst.
Aber auch sonst kann Jesus ein Lied davon singen, was einem Propheten an Ablehnung und Widerstand entgegen schlägt, was ja in seinem Fall schliesslich bis zum Tod geführt hat.
So sind die Worte im Lukasevangelium zwar sehr hart und tönen brutal und müssen sicherlich auch kritisch betrachtet werden. Und doch scheint mir die Beschreibung von Jesus als «Feuerwerfer» und als Person, an dem sich die Geister scheiden und der Spaltung anstatt Frieden auslöst, doch recht zutreffend.
Zumindest als Beschreibung der Reaktionen der Menschen auf seine Botschaft hat es für mich durchaus nachvollziehbare Züge. Denn einerseits hat es ja tatsächlich heftigen und schliesslich auch gewalttätigen Widerstand gegen ihn gegeben und andererseits ist auch seine frohe Botschaft nicht bei allen froh und gut aufgenommen worden. Vielmehr hat es bei einigen Angst und Abwehr hervorgerufen, weil ihre Macht und ihr Glaubensgebäude ins Wanken geraten ist. Und so hat es bestimmt auch innerhalb von Familien geteilte Meinungen zu Jesus gegeben.
Und mit seinem Handeln hat Jesus ja auch viele provoziert. Gewisse haben ihn vielleicht sogar als Spinner bezeichnet.
Und sein Erzählen von einem liebenden Gott und davon, dass z.B. der Sabbat für die Menschen da ist und nicht umgekehrt, dass also die Regeln für die Menschen sind und nicht die Menschen für die Regeln leben, haben viele nicht verstanden oder als Bedrohung gesehen.
So hat er mit seiner ganzen Botschaft und seinem heilvollen Handeln einiges in Frage gestellt, vor allem auch bestehende Machtstrukturen von religiösen und politischen Führungspersonen und Glaubensgebäuden, die vorwiegend aus Angst bestehen.
Dass es damit zu Widerstand und Ablehnung gekommen ist und Jesus damit angeeckt ist, ist m.E. nachvollziehbar.
Und so wie Jesus haben sich auch die früheren Propheten mit Kritik an sozialen und religiösen Strukturen unbeliebt gemacht und geraten auch heute noch Theologinnen und Theologen in heftiges Kreuzfeuer, wenn sie sich politisch positionieren und zu sozial-politischen Fragen Stellung beziehen oder religiöse, kirchliche Strukturen in Frage stellen und kritisieren.
Bei Jesus kam ausserdem eine grosse Leidenschaft hinzu, die sich beispielsweise bei seiner Tempelreinigung gezeigt hat, als er Händler mit der Peitsche hinausgetrieben hat. Damit hat er sich wohl auch nicht wirklich Freunde gemacht.
Und trotzdem hat dieses Feurige auch sehr viel Faszinierendes an sich. So hat mich persönlich dieses leidenschaftliche Auf- und Eintreten für seine Anliegen immer ganz besonders angesprochen und ist damit dieses Feuer auch ein Stück weit auf mich übergegangen.
Und dennoch bin ich selber eher der Typ, der Hemmungen hat, allzu sehr anzuecken. So muss ich mich manchmal eher dazu anspornen, mehr Ecken und Kanten zu zeigen. Aber es gibt durchaus auch Themen und Momente, in denen ich stark spüre, dass etwas einfach gesagt werden muss.
Und so ist es halt auch immer wieder not-wendig, dass wir Kritik äussern und Hindeuten auf Misstände, Unstimmigkeiten und Ungerechtigkeiten und so die eigene Wahrnehmung mitteilen, wenn wir sehen, dass etwas nicht fair läuft, jemand unehrlich ist oder Strukturen und Zustände Menschen einengen und ersticken oder wir Möglichkeiten erkennen, die uns allen helfen weiterzukommen in unserem Glauben, unserer Entwicklung und unserem Umgang miteinander.
Und ich wünsche uns dabei Mut. Denn immer wieder wird dies auch dazu führen, dass wir uns unbeliebt machen, Ablehnung erfahren, angegriffen werden oder uns sogar Feinde machen.
Und, wer nimmt dies schon gerne in Kauf?!
Aber, wenn wir uns treu bleiben und auch äussern, was uns innerlich bewegt, kann dies uns auch mehr Zufriedenheit bringen und mehr Erfüllung und Sinn.
Darum: Getrauen wir uns doch, nicht nur lieb und nett zu sein, sondern auch mal anzuecken und unbequem zu sein wie ein Stein im Schuh und dabei auf unsere Inspirationen, Wahrnehmungen und unser Gewissen zu hören.

Liebe Mitfeiernde
Ein wichtiger Punkt möchte ich zum Schluss noch loswerden, nämlich ein kritischer Blick auf die Worte des heutigen Evangeliums:
Bei aller Ermutigung, leidenschaftlich zu kämpfen für mehr Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Liebe und damit prophetisch zu wirken, finde ich es dennoch entscheidend, auch selbstkritisch zu bleiben und sein eigenes Handeln immer wieder zu hinterfragen und zu schauen, ob es auch wirklich dem Leben dient und erfüllt ist von Liebe.
Denn Jesus hat sich auch immer klar von Gewalt distanziert und auch Petrus aufgehalten, als er zur Waffe gegriffen hat. Und Feuer auf die Erde werfen und Eintreten für eine gerechte, gute Sache: Dies behaupten auch Terroristen und Fanatiker, dass sie dies tun!
So ist es unabdingbar, immer wieder sich selber, seine Beweggründe und sein Handeln zu überprüfen.

Und in dem Sinne möchte auch ich nicht ein Streithahn sein, sondern ein Friedensstifter.
Amen.